«Der Zug pfiff und dann knallte es»

WÄNGI. Gestern Dienstag kollidierte in Wängi ein Lastwagen mit der Frauenfeld-Wil-Bahn. Ein Ersatzbus war schnell vor Ort, allerdings wurden etliche Zugpassagiere vergessen.

Tanja Weibel
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Bei der Kollision zwischen einem Lastwagen und der Frauenfeld-Wil-Bahn entstand grosser Sachschaden. Verletzt wurde niemand. (Bild: Daniel Meili/Kapo Thurgau)

Bei der Kollision zwischen einem Lastwagen und der Frauenfeld-Wil-Bahn entstand grosser Sachschaden. Verletzt wurde niemand. (Bild: Daniel Meili/Kapo Thurgau)

Gestern Morgen, kurz vor 8 Uhr, prallte ein Lastwagen seitlich in einen Zug der Frauenfeld-Wil-Bahn. Der LKW kam aus einer Einfahrt neben dem Bahnhöfli und wollte in die Wilerstrasse einbiegen. Dabei nahm er die heranfahrende Bahn trotz Blinklicht und Signaltönen nicht wahr.

«Nach dem Unfall sah ich einen Mann am Boden liegen», berichtet eine Mitarbeiterin von Strässle Immobilien, deren Büros sich gegenüber dem Bahnhof befinden. Es handelte sich um den 36jährigen Chauffeur des Lastwagens. «Er stand unter Schock, hatte Schmerzen an Kopf und Beinen und Kratzspuren an den Händen», sagt die Augenzeugin.

Über eine Stunde gewartet

Simon Groot Kormelink aus Münchwilen, der zur Zeit des Unfalls im vorderen Wagen des Zugs sass, sah den Lastwagen von der Seite herannahen. «Der Zug pfiff wie verrückt und dann hat es geknallt. Der ganze Wagen wackelte, bis die Bahn zum Stillstand kam.» Der Lastwagenfahrer habe die Gefahr genug früh erkannt, hätte sich abschnallen und auf den Beifahrersitz rutschen können, sagt Simon Groot Kormelink. Per Durchsage seien die Fahrgäste über den Unfall informiert worden.

Kurz nach der Kollision hatte die Bahn Ersatzbusse organisiert, welche die Fahrgäste weiter nach Frauenfeld transportierten. Allerdings nicht alle. Natascha Hossli, ebenfalls aus Münchwilen, sass während dem Unfall im hinteren Wagen. «Ich hörte, wie der Zug pfiff und dann wackelte plötzlich alles. Gesehen habe ich nichts.» Eine Durchsage wies die Gäste im hinteren Wagen an, sitzen zu bleiben. Und das taten sie. Über eine Stunde lang. «Keiner wusste, dass die Leute aus dem vorderen Wagen bereits im Bus auf dem Weg nach Frauenfeld waren. Erst als jemand ausstieg, um nachzusehen, verliessen auch wir den Zug», sagt Natascha Hossli.

Schranke hätte Unfall verhindert

Kurt Hafner, Wirt im nahegelegenen Landgasthof Schäfli, hat die Kollision gesehen. «Ich war draussen am Schnee wischen, als es knallte», sagt Hafner. An dieser Stelle habe es noch nie einen Unfall gegeben. Seit einiger Zeit werden auf der ganzen Bahnstrecke zwischen Wil und Frauenfeld Sanierungen durchgeführt. «Und ausgerechnet jetzt, kurz bevor eine Schranke an diesem Bahnübergang angebracht wird, passiert noch etwas», sagt der Wirt.

Ernsthaft verletzt wurde beim Zusammenprall niemand, doch es entstand Sachschaden von über 100 000 Franken.

Arbeiter haben bereits mit der Sanierung der Unfallstelle begonnen. (Bild: Tanja Weibel)

Arbeiter haben bereits mit der Sanierung der Unfallstelle begonnen. (Bild: Tanja Weibel)