Der Zeltmeister bleibt stets ruhig

FRAUENFELD. Heute und morgen gastiert der Circus Knie auf der Grossen Allmend in Frauenfeld. Gestern bauten 45 Männer unter der Leitung von Roger Mühlematter das Zirkuszelt auf. Das ist auch ein Wettkampf zwischen Polen und Marokkanern.

Markus Zahnd
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Roger Mühlematter ist seit zwei Jahren Zeltmeister beim Knie, auch seine Frau arbeitet für den Zirkus. (Bild: Reto Martin)

Roger Mühlematter ist seit zwei Jahren Zeltmeister beim Knie, auch seine Frau arbeitet für den Zirkus. (Bild: Reto Martin)

Motorenlärm, lautes Rufen in verschiedenen Sprachen und dazu das stete Geräusch von aneinander schlagenden Metallstangen – der Circus Knie richtete sich gestern auf der Grossen Allmend ein. Um sechs Uhr morgens begannen die 45 Männer, das grosse Zelt aufzubauen. Dabei gibt es zwei Gruppen: Auf der einen Seite arbeiten Polen, auf der anderen Marokkaner. «Das ist schon lange so. Zwischen den beiden Gruppen herrscht eine grosse Konkurrenz, wer zuerst fertig ist. Die helfen sich gegenseitig auch nicht», sagt Roger Mühlematter. Der Thuner ist seit zwei Jahren Zeltmeister und trägt damit die Verantwortung für den Aufbau.

Mühlematter ist an diesem Morgen kaum aus der Ruhe zu bringen. Das verwundert indes nicht, schliesslich ist er bereits in seiner 17. Saison für den Nationalzirkus tätig. Seine Frau arbeitet als Bereiterin ebenfalls im «Knie» und auch die 17monatige Tochter reist mit. Im Zirkus angefangen hat der ausgebildete Detailhandelskaufmann als Gabelstaplerfahrer, dann war er lange Chauffeur und jetzt ist er Zeltmeister. «In diesen Job bin ich irgendwie hineingerutscht», sagt Mühlematter, der einst eigentlich nur eine Saison lang beim «Knie» arbeiten wollte.

Ein Team mit viel Routine

Frauenfeld ist – mit den Ausnahmen im 2011 und 1998, als der Circus Knie die Stadt ausliess – traditionsgemäss die erste Tournée-Station nach der Premiere in Rapperswil. Auch aus Verbundenheit mit der Region, die Familie Knie ist seit 1900 Bürger von Gerlikon. Mühlematter und seine Männer müssen auf der Grossen Allmend also zum erstenmal in diesem Jahr das Zelt unterwegs aufstellen. Mühlematter nimmt es gelassen: «Wir haben kaum Neue, die meisten sind seit Jahren dabei und sehr routiniert.» Die grösste Schwierigkeit sieht er daher nicht beim Aufstellen, sondern beim Transport der unzähligen Einzelteile: «Wenn es auf der Strasse einen Unfall gibt und uns dann Material fehlt, haben wir Probleme beim Aufbau.»

Neben dem Zelt wird in Frauenfeld auch der Zoo aufgebaut. Ein Teil der Tiere wird per Bahn, die anderen mit eigens angefertigten Fahrzeugen transportiert. Nach und nach treffen auch die Bürowagen der Administration, des Marketings, der Medien und weiterer Abteilungen ein. Es werden weitere Kabel verlegt. Dafür verantwortlich ist Chefelektriker Christoph Ruckstuhl. «Wir verlegen je nach Ort bis zu fünfzehn Kilometer Kabel», sagt er. Erst am Nachmittag treffen dann auch die Artisten mit ihren Wohnwagen ein. Nebst der Familie Knie mit ihren Tieren und Artisten aus aller Welt treten dieses Jahr unter anderen auch der Komiker Claudio Zuccolini oder die als «Schlangenfrau» bekannt gewordene Nina Burri auf.

Morgen abend nach Winterthur

In Frauenfeld klappte gestern alles, das 20 Meter hohe Zelt war nach dem Mittag fertig aufgebaut, die Manege und die Sitzplätze waren eingerichtet. Damit steht den Aufführungen heute und morgen abend sowie morgen nachmittag nichts mehr im Weg. Gleich nach der morgigen Abend-vorstellung bauen Mühlematters Polen und Marokkaner das Zelt wieder ab und fahren nach Winterthur, dem dritten von 43 Orten der Tournée. Auch dort beginnt das Gastspiel mit Motorenlärm, lautem Rufen in verschiedenen Sprachen und dem steten Geräusch von aneinander schlagenden Metallstangen.

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