Der weisse Fleck oben rechts

Am Dienstag fehlte auf der Frontseite der Thurgauer Zeitung oben rechts ein Einspalter, und männiglich fragte sich, was dort hätte stehen sollen. Hier die Auflösung: Wales liegt an der Fussball-EM vor England. Der dafür vorgesehene Platz bleibt aufgrund eines Versehens leer.

David Angst
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Am Dienstag fehlte auf der Frontseite der Thurgauer Zeitung oben rechts ein Einspalter, und männiglich fragte sich, was dort hätte stehen sollen. Hier die Auflösung: Wales liegt an der Fussball-EM vor England. Der dafür vorgesehene Platz bleibt aufgrund eines Versehens leer. Statt England und Wales ein weisser Fleck. Der vorgezogene Brexit in 32 500facher Auflage.

Grossbritannien tritt nun also aus. Und es ist anzunehmen, dass nun noch andere Lust bekommen, auszutreten. Es muss ja nicht aus der EU sein.

Zum Beispiel Mammern und Hefenhofen. Wegen Differenzen mit dem Amt für Raumentwicklung könnten sie auf dumme Gedanken kommen und aus dem Thurgau austreten. Es drohen uns also ein Maxit und ein Hexit.

Der Oberthurgau kokettiert vielleicht gar mit einem Kantonswechsel. Der Arboner Stadtpräsident Andreas Balg wünscht sich bereits einen Schnellzug von Arbon nach St. Gallen. Das Schönste daran wäre, so denkt Balg vermutlich, dass dann auch von St. Gallen nach Arbon ein Schnellzug fahren würde.

Amriswil ruht indessen in sich selbst und nähert sich dem Idealzustand. Ausser der SVP, welche den Stadtrat präsidiert, gibt es faktisch keine Parteien mehr. Die CVP hat nun beschlossen, auch öffentlich dazu zu stehen, indem sie ohne Präsidenten auskommt. Das Einparteiensystem ist nicht etwa ein Verlust an Demokratie, sondern im Gegenteil, der angestrebte Idealzustand. Im Buddhismus bekannt als Nirwana. Überall dort, wo es Opposition gibt (Syrien, Libyen, Venezuela), da ist dieser Idealzustand fern. Wo aber die Menschen mit der politischen Führung zu 100 Prozent zufrieden sind, wie in Amriswil oder Nordkorea, da braucht es keine Opposition mehr.

Noch ein Hinweis an die Adresse der Franzosen: Wenn in letzter Zeit gelegentlich von einer «Zerreissprobe für Europa» die Rede war, so hatte das nichts mit der Fussball-Europameisterschaft zu tun.

david.angst@thurgauerzeitung.ch