Der Vorstand steht zur Diskussion

Der Vorstand der Thurgauer Milchbauern soll abgewählt werden. Das fordert eine Gruppe Bauern, die sich als besonders marktorientiert versteht. 130 Verbandsmitglieder haben das Anliegen unterschrieben.

Silvan Meile
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Roland Werner und Godi Siegfried sammelten 130 Unterschriften. (Bild: Andrea Stalder)

Roland Werner und Godi Siegfried sammelten 130 Unterschriften. (Bild: Andrea Stalder)

WEINFELDEN. Im Streit um die Beiträge zur Milchpreis-Stützung machen die aufständischen Bauern ernst. Roland Werner und Godi Siegfried, Initiatoren des Widerstands, übergaben gestern in der Geschäftsstelle des Verbands Thurgauer Milchproduzenten (TMP) 130 Unterschriften unzufriedener Verbandsmitglieder.

Kritik am Thurgauer Vorstand

Mit den Unterschriften haben die beiden Milchbauern Siegfried und Werner vorerst erreicht, dass ihr Anliegen auf die Traktandenliste der Generalversammlung vom 29. März genommen wird, vorausgesetzt die Unterschriften von zehn Prozent der rund 950 Verbandsmitgliedern sind gültig. Jürg Fatzer, Geschäftsstellenleiter des Verbandes Thurgauer Milchproduzenten, nahm die Unterschriften stellvertretend für Verbandspräsident Ruedi Schnyder entgegen, der in den Ferien weilt.

«Wir sind seit längerem mit der Arbeit des TMP-Vorstandes unzufrieden», sagt Godi Siegfried. Das Vorgehen des Thurgauer Verbandes, wie dieser für den Schweizer Milchproduzentenverband von seinen Mitgliedern Geld eintreibt, um die Exportfirma Lactofama zu subventionieren, habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Siegfried wie Werner vertreten eine Gruppe Thurgauer Milchbauern, die diese Abgaben als ungerechte Doppelbelastung betrachten, weil sie mit ihrem Milchverarbeiter Höchstmengen vertraglich festgelegt haben. «Lactofama schafft aber Anreize, überschüssige Milch zu produzieren», kritisieren die beiden. Am Thurgauer Verband bemängeln sie, dass dieser die zahlreichen marktorientierten Thurgauer Bauern nicht wirklich vertrete. Vielmehr verhalte sich dieser undurchsichtig und lasse kritische Stimmen bewusst aussen vor. Deshalb sollen an der Versammlung Ende März Köpfe rollen. Dafür wird eine Mehrheit an der Versammlung nötig sein.

Der Thurgau unter Beobachtung

Rund 150 der 950 Thurgauer Milchbauern weigern sich, die vom Thurgauer Verband eingeforderten Beiträge zu bezahlen. Der Verband hat angekündigt, die säumigen Zahler zu betreiben, wartet aber vorerst «aufgrund der laufenden Verhandlungen» ab, wie Fatzer erklärt.

Falls es zu Betreibungen kommt, dürfte ein Gericht entscheiden müssen, ob der Thurgauer Verband befugt ist, die Beiträge für die Lactofama einzuziehen. Unterliegt der Verband vor Gericht, wird er mit zahlreichen Rückforderungen rechnen müssen. Der Streit im Thurgau wird von anderen Milchverbänden beobachtet und könnte dereinst wegweisenden Charakter haben.

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