Der Vater sagt: «Vieles stimmt nicht»

Sein Sohn halte seine Frau nicht gegen ihren Willen in Syrien fest, sagt Onurs Vater. Er habe alle zwei bis drei Tage Kontakt zu ihr und müsste wissen, wenn es so wäre. Richtig sei, dass sie weg wolle – aber nur zusammen mit seinem Sohn.

Markus Schoch
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Plötzlich liess er sich einen Bart wachsen: Ein 21-jähriger Mann aus Arbon soll in den Heiligen Krieg gezogen sein. (Bild: SRF)

Plötzlich liess er sich einen Bart wachsen: Ein 21-jähriger Mann aus Arbon soll in den Heiligen Krieg gezogen sein. (Bild: SRF)

ARBON. Als der Vater von Onur* gestern die Medienberichte über seinen Sohn las, wurde es ihm fast schlecht, wie er sagt. «Es war ein riesiger Schock. Ich kann mir das alles nicht vorstellen.» Es sei auch vieles falsch von dem, was geschrieben worden sei.

So sei es nicht so, dass seine Schwiegertochter gegen ihren Willen in Syrien festgehalten werde. «Sie will zwar weg von dort, aber nicht ohne ihren Mann. Sie hat mir das immer wieder erklärt.» Wenn es anders wäre, hätte sie es ihn doch wissen lassen, ist sich Onurs Vater sicher. Er habe alle zwei bis drei Tage per SMS Kontakt mit ihr. Seine Schwiegertochter sei nach Syrien gereist, um ihren Mann heimzuholen. Er und andere hätten sie davon abzuhalten versucht – ohne Erfolg.

Täglicher Kontakt

Mit seinem Sohn tausche er täglich Kurznachrichten aus. Was dieser genau mache, wisse er allerdings nicht, sagt der Vater. Onur habe ihm auf entsprechende Fragen immer nur ausweichend geantwortet, er helfe in Syrien.

Dass Onur ein Jihadist sein soll, will der Vater nicht glauben, der in religiösen Fragen liberal ist wie alle Verwandten in der Region. Er versteht nicht, warum das Schweizer Fernsehen gestern den Beitrag ausgestrahlt habe und damit ihn und seine Familie in Verruf bringe. «Die Verantwortlichen haben nie mit mir geredet. Und als ich sie bat, den Beitrag nicht zu bringen, liessen sie sich nicht umstimmen.»

Sie hätten sich in all den Jahren nie etwas zuschulden kommen lassen, sagt der Vater von Onur. Die Publizität des Falles ist auch für seine näheren Verwandten im Oberthurgau zu einem grossen Problem geworden. Sie haben Angst, in die gleiche Ecke wie Onur gestellt zu werden – obwohl sie weit entfernt davon sind, in den «Heiligen Krieg» ziehen zu wollen. Sie befürchten eine Hetzjagd, falls der richtige Name von Onur bekannt würde.

«Bin erschrocken»

In der Nachbarschaft ist man erstaunt über Onurs Wandlung zum Extremisten. «Ich bin erschrocken», sagt ein Mann, der ihn flüchtig gekannt hat. Doch längst nicht alle im Quartier wussten gestern Bescheid über die Vorwürfe, die gegen den 21-Jährigen erhoben werden. Eine Nachbarin des Vaters war überhaupt nicht im Bild. Anders im Haus, wo Onur und seine Frau wohnten. Es habe oft Streit gegeben und es sei laut geworden, sagte im gestrigen «Rundschau»-Bericht eine Mieterin. Die Gründe dafür kenne sie nicht. Der Stadt Arbon ist der Fall von Onur seit längerem bekannt. «Wir können aus Gründen des Datenschutzes aber nichts dazu sagen», erklärte Peter Wenk, der Leiter der Abteilung Einwohner und Sicherheit.

*Name geändert

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