«Der Umgang mit Daten ist heikel»

Der Thurgauer Datenschutzbeauftragte hat im Jahresbericht 2015 über den Datenschutz an Schulen informiert. Trotz der Gefahren des Datenmissbrauchs dürfe der Datenschutz den Schulen keine Hürden in den Weg stellen.

Samuel Koch
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Das Klassenzimmer ist kein öffentlich zugänglicher Ort und darf deshalb nicht mit Kameras überwacht werden. (Bild: Benjamin Manser)

Das Klassenzimmer ist kein öffentlich zugänglicher Ort und darf deshalb nicht mit Kameras überwacht werden. (Bild: Benjamin Manser)

FRAUENFELD. «Überwachung beschäftigt die Bevölkerung. Heute wird viel mehr auf die persönlichen Daten geachtet als noch vor einigen Jahren», sagt der kantonale Datenschutzbeauftragte Fritz Tanner. In seinem am Freitag veröffentlichten Jahresbericht hat er aber nicht nur Statistiken von 2015 publiziert (siehe Zweittext), sondern auch auf den Datenschutz an Schulen fokussiert.

«Die Grenzen sind schmal»

Darf das Schulzimmer mit Kameras überwacht werden? – Das ist nur eine von vielen Fragen, mit der sich Fritz Tanner beschäftigt. «Der Umgang mit persönlichen Daten von Schülern ist ein heikles Thema», sagt er, «zumal viele Familien davon betroffen sind.» Viele Schulen wollen hinsichtlich des Datenschutzes keine Fehler machen, weshalb sie sich als öffentliches Organ beim kantonalen Datenschutzbeauftragten melden.

Die Überwachung eines Schulzimmers mit Kameras beispielsweise ist nicht erlaubt, weil es kein öffentlich zugänglicher Ort ist. «Aus didaktischen Gründen kann es jedoch sinnvoll sein, einen Vortrag von Schülern auf Video aufzunehmen», sagt Fritz Tanner, «sofern die Aufnahmen später wieder gelöscht werden.» An öffentlichen Orten wiederum seien Kameras zum Schutz von Personen und Sachen erlaubt. Auch für die Frage, ob Lehrer untereinander die Daten von Schülerinnen und Schülern austauschen dürfen, gibt es klare Regeln. «Zwar setzt das Datenschutzgesetz einen <schulischen Auftrag> dafür voraus», sagt Tanner. Gerade im Austausch von Noten an die Klassenlehrer sei das Weiterreichen der Personendaten wichtig. «Der Datenschutz darf der Bildung keine Hürden in den Weg stellen.» Deshalb erachtet er den Umgang mit dem Datenschutz, die Sensibilisierung dafür und den Dialog darüber als wichtig. «Die Grenzen sind schmal», sagt Tanner.

Beratende Rechtsauskünfte

Deshalb bietet er den öffentlichen Organen eine Rechtsberatung an, die von den Schulen auch genutzt werden. «In heiklen Fällen nehmen wir über unseren Rechtsdienst Kontakt zu Fritz Tanner auf», sagt Beat Brüllmann vom kantonalen Amt für Volksschule. Sei das bei der Frage, ob Fotos von Schülerinnen und Schülern verwendet werden dürfen. Oder ob Adressen von Schulleitern zu Werbezwecken weitergegeben werden dürfen. «Fritz Tanner steht uns jeweils beratend zur Seite.»

Tanner wiederum spürt im Kanton eine grosse Verunsicherung. Er bemerkt bei Kontrollen aber auch, dass bei der öffentlichen Hand auf schützenswerte Daten geachtet wird. Daten, die beispielsweise für die Arbeit des Steueramtes nicht relevant sind, werden nicht im zentralen Register gespeichert. Wer sich trotzdem unsicher fühlt, dem erlaubt das Datenschutzgesetz Einsicht. «Wir speichern aber nur Daten, die den öffentlichen Auftrag gewährleisten», sagt Tanner.

Durch Algorithmen verknüpft

Dass schützenswerte Daten bei Privaten im Umlauf sind und missbraucht werden könnten, wird laut Tanner noch von vielen bagatellisiert. Die stets weiterentwickelten Algorithmen – also die vermehrte Verknüpfung der Daten – könnten in Zukunft zum Problem werden. «Was das für jeden einzelnen heisst, ist schwierig abzuschätzen.»

Fritz Tanner Datenschutzbeauftragter des Kantons Thurgau (Bild: Donato Caspari)

Fritz Tanner Datenschutzbeauftragter des Kantons Thurgau (Bild: Donato Caspari)

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