Der ultimative Promi

Im November kommt jeweils das «Who ist Who»-Heft meiner Zeitung. Das lege ich erst einmal zur Seite, bis nach den Festtagen habe ich keine Zeit für das Studium. Wenn dann die letzten Guezli weggeputzt sind, nehme ich mir das Werk vor.

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Im November kommt jeweils das «Who ist Who»-Heft meiner Zeitung. Das lege ich erst einmal zur Seite, bis nach den Festtagen habe ich keine Zeit für das Studium. Wenn dann die letzten Guezli weggeputzt sind, nehme ich mir das Werk vor. 100 Thurgauerinnen und Thurgauer, die im letzten Jahr von sich reden gemacht haben. Gespannt blättere ich. Am meisten interessiert mich, wie viele Leute aus unserer Region zwischen Berlingen und Schlatt im Heft zu finden sind. Da haben wir die beiden Damen aus Mammern mit ihrem Tröpfel aus Äpfeln, dann einen Richter aus Steckborn, eine Theaterfrau und einen Voice-of-Switzerland-Sänger aus Diessenhofen. Das ist unser magerer Anteil an den 100 wichtigsten Thurgauerinnen und Thurgauern, die letztes Jahr von sich reden machten. Die Theaterfrau ist übrigens weg, sie ist nach Ungarn umgezogen. Da bleiben noch vier. Vergeblich suche ich im Heft herausragende Winzer, erstklassige Köche, erfolgreiche Spitzensportler, lesenswerte Schriftstellerinnen, durchschlagende Politiker und wichtige Wirtschaftsleute aus unserer Gegend. Auch peoplemässig herrscht hier verbrannte Erde, zu uns verirren sich keine Moderatoren, Missen oder andere Societyhyänen. In unserer Gegend tragen nur Krähen dunkle Fräcke, die einzigen schillernden Wesen sind die Vögel hoch oben in den Bäumen. Ein enttäuschender Jahresanfang, wenn da nicht dieser Artikel gewesen wäre. Ein Artikel mit einem Foto von mir. Euer Turmspatz wurde zum Vogel des Jahres gewählt. Ich bin ein Top-Promi, besser als all die Thurgauer im Heft. Und damit es so richtig kracht, werde ich auch im nächsten Jahr spotten, was der Schnabel hält. Versprochen.