Der übergangene Thurgau wehrt sich

«Schweiz Tourismus» hat die 45 besten Ferientips im Land veröffentlicht – keiner liegt in der Ostschweiz. Das gehe nicht, sind sich Kanton, Touristiker und Thurgauer einig. Auseinander gehen die Ansichten darüber, was nun passieren soll.

Marc Engelhard
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Muss man laut «Schweiz Tourismus» nicht gesehen haben: Die Aussicht in Eschenz auf den Untersee. (Archivbild: Donato Caspari)

Muss man laut «Schweiz Tourismus» nicht gesehen haben: Die Aussicht in Eschenz auf den Untersee. (Archivbild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Rudolf Baer ist sauer: «Ich konnte meinen Augen nicht trauen, dass «Schweiz Tourismus» in einem offiziellen Führer die 45 besten Ferientips herausgibt und die Ostschweiz schlicht ausgeblendet ist.» Baer führt das Saurer-Museum in Arbon und erwartet nun eine Demarche der Regierungen der Ostschweizer Kantone. «So geht das nicht.» Schweiz Tourismus hat «Die 45 besten Tips für Urlaub in der Schweiz» an Millionen von Haushalte in Europa verschickt, um Touristen ins Land zu locken. Die Organisation erhält Bundesgelder, 2012 waren es über 50 Millionen Franken.

Auch Werner Müller ist deutlich: «In so einer Broschüre dürfe die Ostschweiz nicht fehlen.» Müller leitet den Bereich Tourismus beim Kanton. Eine Demarche werde es aber nicht geben, der Kanton mische sich nicht ein. Es liege an den touristischen Destinationen der Ostschweiz wie Thurgau Tourismus, St. Gallen-Bodensee und Heidiland, bei «Schweiz Tourismus» vorstellig zu werden.

Das hat Rolf Müller bereits gemacht. Der Geschäftsführer von Thurgau Tourismus hat bei Alain Suter von Schweiz Tourismus nachgehakt, warum die Ostschweiz ein blinder Fleck sei. Die Erklärung: Der Thurgau verfügt über eine Basismitgliedschaft bei Schweiz Tourismus gemeinsam mit den Ostschweizer Destinationen. Diese kostet 50 000 Franken im Jahr. «Die Broschüre ist jedoch ein Produkt für die Goldmitglieder, welche 122 000 Franken im Jahr bezahlen.»

Thema ist nicht vom Tisch

Rolf Müller sieht Optimierungspotenzial bezüglich der Broschüre. «Sie vermittelt den Touristen ein unvollständiges Bild.» Aber er könne die Begründung von Schweiz Tourismus nachvollziehen. Müller hält es dennoch für wichtig, mit den anderen Ostschweizer Tourismusorganisationen diese Thematik bei «Schweiz Tourismus» anzusprechen.

Mehr Geld gibt es vorerst nicht

Falls Thurgau Tourismus auch Goldmitglied werden will, muss der Verein an einem anderen Ende sparen. Denn mehr Geld wird er vom Kanton dafür nicht bekommen. «Unser Beitrag ist bis 2015 fixiert», sagt Werner Müller vom Kanton.