Der Titel ist verführerisch

Die Hinterthurgauer Schulpräsidenten stehen geschlossen hinter dem neuen Lehrplan. Vor der bevorstehenden Abstimmung wollen sie ihre Einigkeit mit einem Informationsanlass bekräftigen.

Olaf Kühne
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«Dann haben wir Chaos total!», sagt Godi Siegfried. Der Fischinger Schulpräsident ist bekannt dafür, nicht lange um den sprichwörtlichen heissen Brei herumzureden. Entsprechend unverblümt beantwortet Siegfried denn auch die Frage, was passieren würde, falls die Thurgauer Stimmbürger am 27. November die Volksschul-Initiative annähmen.

Diese will die längst beschlossene Einführung des Lehrplans 21 auf das kommende Schuljahr verhindern. Ein Projekt, dessen Startschuss im Hinterthurgau im vergangenen November fiel (unsere Zeitung berichtete).

Beim Regierungsrat gut aufgehoben

«Wir Hinterthurgauer Schulpräsidenten stehen geschlossen hinter dem neuen Lehrplan», sagt auch Susanna Koller. Die Eschlikerin steht der dortigen Schulbehörde seit über elf Jahren vor und befürchtet bei einer Annahme der Initiative eine massive Einschränkung der Schulgemeinden.

«Der neue Lehrplan gewährleistet die Methodenvielfalt im Unterricht», sagt sie. «Zudem bleibt die Teilautonomie der Schulgemeinden sichergestellt.» Aktuell liege die Kompetenz über den Lehrplan beim Regierungsrat, dort sei sie auch gut aufgehoben, sagt Koller. Mit Annahme der Initiative wäre ein Lehrplan referendumsfähig.

Was das bedeutet, weiss Urs Schrepfer. Der Busswiler ist Präsident der Sirnacher Schulkommission und Leiter der Wängemer Sekundarschule. Vor allem aber sitzt Schrepfer für die SVP im Kantonsrat und war dort Präsident der vorberatenden Kommission, welche sich mit der Volksschul-Initiative befasste. «Der Grosse Rat will gar nicht über Stundentafeln diskutieren, wie das die Initiative verlangt», sagt Schrepfer. «Das Parlament lehnt das Begehren ganz klar ab.»

Wie genau sich die Initiative auf den Schulalltag auswirken würde, sei schwierig vorherzusagen. Sicher sei aber: «Unsere ganze Planung wäre für die Katze, eine Katastrophe!» Schrepfer stört sich denn auch einerseits am Inhalt der Initiative: «Die Initianten wollen zurück zu einer Schule, die es so gar nie gab.» Genau so wie sich die Berufswelt stetig wandle, müsse auch das Lernen in Bewegung bleiben. Zudem sei es eine grosse Errungenschaft, dass sich 21 Kantone zusammenraufen konnten, einen gemeinsamen Lehrplan zu entwickeln.

Wie seinen Kollegen Siegfried und Brunner stösst auch Schrepfer der Titel der Initiative sauer auf. «Ja zu einer guten Thurgauer Volksschule» lautet dieser ausgeschrieben. «Der Titel ist clever gewählt und sehr verführerisch», sagt Schrepfer. «Niemand ist gegen einen gute Schule.» Wer eine solche aber wolle, müsse deshalb Nein stimmen.

Stimmbürger ohne Kinder erreichen

Mit einem Appell wollen sich die Schulpräsidenten von Münchwilen, Eschlikon, Fischingen und Bichelsee-Balterswil indes nicht begnügen. «Wir haben festgestellt, dass die Eltern von schulpflichtigen Kindern dank unseren Elternabenden gut über den neuen Lehrplan informiert sind», sagt Susanna Koller. «Wir wollen aber auch die Stimmbürger ohne Kinder erreichen.»

Gemeinsam organisieren die vier Schulgemeinden deshalb Ende Oktober in Oberwangen einen öffentlichen Informationsanlass mit gleich zwei kantonalen Fachleuten.

«Wir hoffen, dass auch viele Gewerbler kommen», sagt Godi Siegfried. In Gesprächen in der Beiz beim Znüni stelle er immer wieder fest, dass sehr viel Fehlinformationen über die künftigen Kompetenzen der Schulabgänger kursieren. «Die wollen wir richtigstellen und den potenziellen Lehrmeistern die Angst vor dem neuen Lehrplan nehmen.»

Öffentlicher Informationsanlass «Lehrplan Volksschule Thurgau», Montag, 24. Oktober, 20 Uhr, Hörnlihalle Oberwangen.