Der thurgauische Wald

STETTFURT. Herr Professor Wegelin hielt in Frauenfeld einen Vortrag über «Der thurgauische Wald in den letzten 80 Jahren».

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STETTFURT. Herr Professor Wegelin hielt in Frauenfeld einen Vortrag über «Der thurgauische Wald in den letzten 80 Jahren». In seinen äusserst interessanten Ausführungen warf der Herr Referent vorerst einen Rückblick auf den Bestand und die Veränderung des Waldes von der Steinzeit der Pfahlbauer an durch die Zeit der Römerherrschaft, der Besiedelungen durch die Allemannen oder Schwaben und durch das Mittelalter.

Rodung und Aufforstung

Schon im 13. Jahrhundert scheinen dann Ortschaften, Kulturland und Wald bei uns im Thurgau ähnlich verteilt gewesen zu sein, wie in unserem Zeitalter. Man kann dies aus Flurnamen und verschiedenen alten Karten ersehen. So existiert zum Beispiel aus dem Jahr 1667 von einem Hans Konrad Giger eine Karte über den Kanton Zürich mit den angrenzenden thurgauischen Gebieten, und da sind die Waldgebiete im Bezirk Diessenhofen und bei Frauenfeld (Gerlikonerwald, Pfaffenholz, Rügerholz) ziemlich gleich eingezeichnet, wie sie heute noch vor unsern Augen stehen. Wenn in der Zwischenzeit da und dort Rodungen in kleinerem oder grösserem Masse vorgenommen sein mögen, so wurde mit der Zeit ein ansehnlicher Teil derselben wieder aufgeforstet; dies beweisen uns gewisse Flurnamen im jetzigen Waldgebiet.

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Sehr arg gehaust wurde in den Waldbeständen im letzten Jahrhundert. Bahnbau, Holzspekulantentum, steigende Holzpreise, ja sogar die Kartoffelkrankheit – man wollte durch Niederlegung und Urbarmachung von Waldparzellen unverseuchten Boden gewinnen – verursachten eine starke Lichtung der Holzbestände. Doch zeigte sich auch bald wieder seitens des Staates, der Gemeinden und Korperationen das Bestreben, den Waldbestand zur Erhaltung und durch Aufforstung zu vergrössern, und der Erfolg blieb auch nicht aus.

Rückschritt im Thurvorland

Bei den Privatwaldungen konnte und kann im allgemeinen nicht dasselbe gerühmt werden. Doch ist seit dem Jahre 1908, da die kantonalen Verordnungen zum eidgenössischen Forstgesetz in Kraft erwuchs und unvernünftige Abholzungen ein Ziel setzte, unser thurgauische Wald in seinem Bestand gesichert. Grossen Schwankungen war der Auwald, das heisst der Wald den Flussläufen nach, unterworfen. In neuerer Zeit hätte er wieder an Grösse zugenommen; die vorgeschriebene Abholzung im Thurvorland aber bedeute einen wesentlichen Rückschritt.

Eine grosse Veränderung hat im Pflanzenbestand unserer Waldungen Platz gegriffen. Zu den alteingesessenen Eichen, Buchen, Tannen und Föhren haben sich im Laufe der letzten Dezennien eine Reihe fremder Baumarten, hauptsächlich amerikanischen Ursprungs gesellt.

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