Der Thurgauer Grosse Rat übt Blattkritik

WEINFELDEN. Thurgauer Kantonsräte kritisieren einen Leistungsabbau der Thurgauer Zeitung seit der Übernahme durch die NZZ-Gruppe. Die Redaktion bekommt auch Lob zu hören. Regierungsrat Stark wünscht der Thurgauer Zeitung viele treue Abonnenten.

Thomas Wunderlin
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Edith Wohlfender (SP, Kreuzlingen) erinnert an die Zeit, als ein Zeitungsabonnement sechs Franken im Jahr kostete. (Bild: Reto Martin)

Edith Wohlfender (SP, Kreuzlingen) erinnert an die Zeit, als ein Zeitungsabonnement sechs Franken im Jahr kostete. (Bild: Reto Martin)

Die Thurgauer Zeitung bespricht die aktuelle Ausgabe täglich an einer internen Telefonkonferenz. Diese Blattkritik übernahm am Mittwoch der Grosse Rat. Tagblatt-Chefredaktor Philipp Landmark und TZ-Redaktionsleiter David Angst, die im Weinfelder Rathaussaal anwesend waren, erhielten etliche Hinweise, um es besser zu machen. Anlass der längeren Diskussion war eine Interpellation gegen den reduzierten Seitenumfang der TZ, seit sie 2010 von der NZZ-Gruppe übernommen und ins St.Galler Tagblatt integriert wurde. Der Amriswiler FDP-Kantonsrat Hermann Hess wunderte sich über die vielen Zeitungsexperten im Rat.

Gegen Travestieshow-Berichte

Helen Jordi kritisierte (EDU, Bischofszell) die ausführliche Berichterstattung über eine Travestieshow und lobte die Wandertips. Peter Dransfeld (SP, Ermatingen) kritisierte eine «gewisse Schnoddrigkeit» in einer Reportage über sein Dorf. Die Interpellanten Andrea Vonlanthen (SVP, Arbon) und Patrick Hug (CVP, Arbon) betonten, ihr Vorstoss richte sich weniger gegen die Redaktion als gegen die Verlagsstrategie. Vonlanthen zählte letzte Woche 12,2 Seiten regionaler Berichterstattung – bei der Übernahme seien 20 versprochen worden. Laut Hug gibt es Tage ohne eine Zeile über Arbon. Der Chef der Neuen Luzerner Zeitung leite seit Oktober die NZZ-Regionalmedien und damit die TZ. Fraglich sei, ob Luzerner die Thurgauer Bedürfnisse kennten. Bei der NZZ fehle das Verständnis für den Thurgau, fand Urs Martin (SVP, Romanshorn). Im Kanton ohne klares Zentrum sei die regionale Berichterstattung aufwendig. Guido Häni (SVP, Dettighofen) ärgerte sich, dass die Ostschweiz am Sonntag abbestellt werden musste, wenn man sie nicht wollte. Gina Rüetschi (GP, Frauenfeld) beklagte den «allgemeinen Untergang des Qualitätsjournalismus». Die Medien müssten dem Staat auf die Finger schauen. Eine staatliche Förderung stehe im Widerspruch dazu. Auch Edith Wohlfender (SP, Kreuzlingen) wollte die publizistische Freiheit nicht gefährden. Er schätze die TZ als Leser und Politiker, sagte Kurt Baumann (SVP, Sirnach). Sie sollte jedoch mehr als eine Seite täglich über den Hinterthurgau berichten. Peter Gubser (SP, Arbon) empfahl, den TZ-Journalisten Tips zu geben, «dann erhalten wir eine bessere Zeitung». Laut FDP-Kantonsrat Hess sind die TZ und die NZZ privat und deshalb keiner Kantonsregierung Rechenschaft schuldig. Letzte Woche hätte sich der Regierungsrat mit den NZZ-Verantwortlichen getroffen, gab SVP-Regierungsrat Jakob Stark bekannt. Die Regierung habe zwei Forderungen: «Kein weiterer Abbau bei der Thurgauer Zeitung und kein Einheitsbrei in der überregionalen Berichterstattung.» Über Innenpolitik, Sport und Kultur müsse aus regionaler Optik berichtet werden. Synergieeffekte ohne grosse Einbussen seien eher in den Ressorts Ausland, Gesellschaft und Wissenschaft zu erzielen.

Bekenntnis zur TZ

Im Gegenzug müsse sich der Thurgau zur TZ bekennen, forderte Stark. Als einzige Zeitung schaffe sie Öffentlichkeit im ganzen Kanton und verbinde die Regionen. Sie sei immer noch attraktiv, berichte ausgewogen und umfassend. Stark – wie auch Baumann, Hess und Gubser – riefen alle dazu auf, der TZ als Abonnent die Treue zu halten.