Der Thurgau vermarktet sein Nichts

Es gibt Sportarten, die werden wohl nie zu den Olympischen Spielen zugelassen. Dazu gehört – das ist bereits heute absehbar – der Hydranten-Hoch-Weitwurf. Zugegeben, die Disziplin steht noch am Anfang. Genau genommen ist sie gerade erst vom Feuerwehrverein Lengwil erfunden worden.

Ida Sandl
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Es gibt Sportarten, die werden wohl nie zu den Olympischen Spielen zugelassen. Dazu gehört – das ist bereits heute absehbar – der Hydranten-Hoch-Weitwurf. Zugegeben, die Disziplin steht noch am Anfang. Genau genommen ist sie gerade erst vom Feuerwehrverein Lengwil erfunden worden. Sie hat aber schon einen prominenten Vertreter: SVP-Nationalrat und Bauernpräsident Markus Hausammann aus Langrickenbach. Er gehört zu den Muskelprotzen, die das 20-Kilo-Unding durch die Luft gewuchtet haben. Wie weit, wie hoch, ist nicht bekannt.

«Jetzt zeig ich's denen in Bern aber mal», soll Hausammann dabei geächzt haben. Dieses Zitat ist leider nie von ihm bestätigt worden. Es haben wohl auch nur die gehört, die direkt neben ihm standen, und das waren wegen der Verletzungsgefahr nicht viele.

Einige Feuerwehrmänner sind nach dem Hydranten-Schleudern, quasi aufgewärmt, noch schnell nach Konstanz gefahren, um ihren deutschen Kollegen beim Löschen des Schwaketenbades zu helfen. Der Einsatz verlief tiptop, das Bad ist aber trotzdem abgebrannt.

Kommt ja nicht so oft vor, dass ein Bad brennt. Aber, da es jetzt schon mal passiert ist, und das Schwimmbad neu aufgebaut werden muss, könnten die Konstanzer bei der Gelegenheit gleich noch den Namen ändern. Denn mit «Schwaketenbad» lässt sich schlecht Werbung machen.

Und heute ist Werbung das halbe Leben. Die Leute werben mit allem, sogar mit dem Nichts. Zum Beispiel die Ermatinger, die vermarkten ihre Langeweile.

Der findige Direktor des Wellnesshotels Golf Panorama in Lipperswil will Arabern den Thurgauer Nebel verkaufen. Die kennen diese graue Suppe nämlich gar nicht und fahren voll darauf ab. Nun ist Nebel zwar ein bisschen mehr als Langeweile, aber auch nicht gerade viel.

Verglichen damit befinden sich die Kemmentaler geradezu in der Pole-Position. Sie könnten Touristen mit dem Spruch anlocken: «Bei uns können Sie Sebastian Vettel nicht sehen.»

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

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