Der Thurgau spornt die Hotels an

FRAUENFELD. Die Thurgauer Hotellerie ist angeschlagen. Deshalb betreibt der Kanton gezielte Wirtschaftsförderung, indem er Hotels bei der Ausarbeitung einer Zukunftsstrategie finanziell unterstützt. Die «Linde» in Tägerwilen ist ein Beispiel dafür.

Silvan Meile
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Karin und Thomas Jucker vor dem Hotelneubau an ihrem Restaurant Linde im Dorfkern von Tägerwilen. (Bild: Donato Caspari)

Karin und Thomas Jucker vor dem Hotelneubau an ihrem Restaurant Linde im Dorfkern von Tägerwilen. (Bild: Donato Caspari)

«Ohne den Anreiz des Kantons wären wir heute nicht so weit», sagt Karin Jucker vom Tägerwiler Gasthaus Linde. Ende Oktober läutet sie mit ihrem Mann in der 400jährigen «Linde» eine neue Ära ein. Das Ehepaar Jucker erneuert den Anbau an den altehrwürdigen Gasthof und lässt so seine Hotellerie komplett neu aufleben.

Der entscheidende Ansporn für den frischen Wind in der Tägerwiler «Linde» gründet in einer Hilfestellung des Kantons. In seinem Auftrag führten externe Berater 2010 eine Studie durch, um das Potenzial der Thurgauer Hotellerie zu analysieren. Die Resultate legten Handlungsbedarf offen. Denn mehr als die Hälfte der Betriebe weisen demnach Verluste auf. Weniger als die Hälfte der Hotels verfügt über das Potenzial, sich mit Investitionen attraktiv zu halten.

Um die Hotellerie zu unterstützen, rief Thurgau Tourismus in der Folge die Fachstelle Beherbergung ins Leben. Ausserdem beteiligt sich der Kanton mit je 10 000 Franken an bedürfnisorientierten Analysen und Businessplänen für Hotelbesitzer, die sich den Herausforderungen der Zukunft stellen wollen.

Fokus auf Geschäftsleute richten

Juckers «Linde» war eines von zwanzig Hotels, die für die damalige Studie die Bücher öffnete und den Betrieb durchleuchten liess. Später nahmen die Juckers das Angebot zur Teilfinanzierung eines Businessplans an. «Wir hatten uns schon vorher Gedanken über die Zukunft der <Linde> gemacht», sagt Karin Jucker. Mit der Hilfestellung des Kantons wurden daraus konkrete Pläne.

Rund vier Millionen Franken investierten die Juckers schliesslich in die Zukunft der «Linde». Ihr einst einfaches Gästehaus wandelt sich dadurch in ein familiäres Geschäftshotel mit 15 Zimmern, multimedialen Seminarräumen und einer Lounge. Es ist das Resultat der vom Kanton mitfinanzierten Machbarkeitsstudie.

Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus, lobt den Weg der Juckers. Die «Linde» in Tägerwilen sei ein Beispiel, wie die Hotellerie des Kantons Thurgau in die Zukunft geführt werden soll. «Klein, überschaubar und persönlich. Das ist im Thurgau ein Erfolgsrezept», sagt er. Dieses Projekt könne einen wegweisenden Charakter haben und auch weitere Hotelbetreiber motivieren, eine Standortbestimmung vorzunehmen.

Denn bisher nahm noch kaum jemand die kantonale Hilfe an. Die «Linde» ist zusammen mit dem Kloster Fischingen eine Ausnahme unter den rund 130 Thurgauer Hotelleriebetrieben, die vom Angebot Gebrauch machten. «Interesse bei den Hoteliers ist zwar da, aber mit Zurückhaltung», sagt Tobias Ziegler. Er leitet die Fachstelle Beherbergung und berät die Betriebe.

Überlebensstrategie wird nötig

Vielen Hotels drücke der Schuh bei den Finanzen. Investitionen würden oftmals auf die lange Bank geschoben oder etwa Abschreibungen vernachlässigt. Was eingenommen wird, fliesse direkt in den operativen Bereich, weiss Ziegler. Deshalb sei eine Strategie wichtig, eine Positionierung und Vermarktung, sagt der Fachstellenleiter. Doch es brauche auch Bereitschaft und Eigeninitiative der Hoteliers, erklärt Ziegler.

Noch herrsche in der Thurgauer Hotellerie nicht die Alarmstufe rot. Aber längerfristig müsse sie sich eine Überlebensstrategie zurechtlegen, jeder Betrieb individuell. Und daran ist auch Thurgau Tourismus interessiert. Denn die Hotellerie sei das Standbein des Tourismus.

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