Der Thurgau ist Rhabarberland

Wo in der Schweiz wird am meisten Rhabarber angebaut? Natürlich im Thurgau. Der fruchtbare Boden ist prädestiniert für das süss-saure Gemüse. Es wird hauptsächlich als Dessert verspeist. Jetzt im Mai erfolgen vielerorts die ersten Ernten.

Inge Staub / Samuel Koch
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Philipp Stäheli mitten in seinem Rhabarberfeld in Hüttwilen. Er freut sich auf die süss-sauren Desserts. (Bild: Nana do Carmo)

Philipp Stäheli mitten in seinem Rhabarberfeld in Hüttwilen. Er freut sich auf die süss-sauren Desserts. (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Der süss-saure Rhabarber wird als erstes Freilandgemüse geerntet. Dass die rötlichen Stengel in den Regalen der Grossverteiler angeboten werden, ist auch Thurgauer Bauern zu verdanken. Einer davon ist Philipp Stäheli aus Hüttwilen. Auf seinem Land baut er über einen Hektar Rhabarber an. «Rhabarber ist eine problemlose Kultur», sagt er. Rhabarber sei lange haltbar und pflegeleicht. Er wachse mittlerweile fast in jedem Garten, weil Aufwand und Ertrag aufgrund einer guten Wertschöpfung stimmen würden.

Er braucht Humus

Der Thurgau ist mit über 13 Hektaren in der Schweiz das grösste Anbaugebiet von Rhabarber. Für Jimmy Mariéthoz, Gruppenleiter für Obst, Gemüse und Beeren vom Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg (LBBZ), weist der Thurgau optimale klimatische Bedingungen für die Produktion von Rhabarber auf. «Der fruchtbare und humusreiche Boden behagt dem Rhabarber-Gewächs», sagt Mariéthoz. Platz zwei und drei nehmen nach Angaben des Verbands Schweizer Gemüseproduzenten mit 12,5 Hektaren der Kanton Zürich und mit 10,7 der Kanton Fribourg ein. Insgesamt werden in der Schweiz 65 Hektaren Rhabarber angebaut. Die sechs wesentlichen Anbauregionen bewirtschaften zusammen 54 Hektaren. Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz über tausend Tonnen Rhabarber geerntet, rund ein Drittel davon im Thurgau. Gemäss Mariéthoz ist die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen.

Beim Verzehr liegt der Rhabarber in der Rangliste der Schweizer Gemüse mit 0,16 Kilogramm pro Kopf nur auf Rang 60. Jimmy Mariéthoz bezeichnet ihn trotzdem als sehr beliebtes Gemüse. «Rhabarber ist farbenfroh und wegen seines säuerlichen Geschmacks wird er sehr gerne zu Kuchen, Kompott oder Konfitüre gemacht.» Rhabarber ist mit 10 bis 29 Milligramm pro 100 Gramm Rohware besonders Vitamin-C-reich und kann mit dieser Menge bereits ein Drittel des Tagesbedarfs decken. Rhabarber wird überwiegend in Freilandkulturen gezogen. Er kann nur von April bis Juni geerntet werden und traditionell gilt der Johannistag, der 24. Juni, als letzter Erntetag. Danach ist der Oxalsäuregehalt zu hoch und die Pflanzen benötigen eine Ruhephase für die Regeneration. Zudem unterscheiden sich verschiedenen Sorten durch die Farbe der Haut und des Fruchtfleisches. Die Sorten mit grüner Haut und grünem Fleisch enthalten die meiste Säure. Der mildeste Rhabarber ist der mit roter Haut und rotem Fleisch. Er hat ein himbeerähnliches Aroma, wird nur selten angebaut und ist deshalb teurer als andere Sorten.

Wärme und Feuchtigkeit

Für Philipp Stäheli ist nicht nur die richtige Sorte entscheidend. «Je früher der Frühling mit warmen Temperaturen kommt, desto grösser wird der Rhabarber-Ertrag», sagt er. Zudem sei ein feuchtes Klima elementar für die optimale Reifung der Stengel. Stäheli freut sich deshalb über die aktuell regnerischen Tage. Hätte es nicht geregnet, hätte er sein Rhabarber-Feld bewässern lassen müssen, um genügend Feuchtigkeit zu gewährleisten. Stähelis Ernte landet grösstenteils bei der Bina in Bischofszell. Nur ein paar Stiele behält er, welche seine Frau gerne zu Rhabarberkuchen verarbeitet.

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