Der Thurgau ist kein Sofa-Kanton

FRAUENFELD. Die Thurgauerinnen und Thurgauer stehen beim Sport der restlichen Schweiz in nichts nach. Beliebt sind Wandern, Radfahren und Schwimmen. Aber auch zu Hanteln und Fitnessgeräten zieht es die hiesige Bevölkerung immer häufiger.

Sebastian Keller
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Wandern gehört im Thurgau zu den beliebtesten Aktivitäten, sich sportlich zu betätigen. (Bild: Maya Mussilier)

Wandern gehört im Thurgau zu den beliebtesten Aktivitäten, sich sportlich zu betätigen. (Bild: Maya Mussilier)

Die Schweizer Bevölkerung treibt immer mehr Sport. 44 Prozent aller 15- bis 74-Jährigen joggen, wandern oder betätigen sich sonst wie mehrmals pro Woche sportlich. Im Jahr 2000 waren es 36 Prozent. Das ist in der Studie «Sport Schweiz 2014» des Bundesamtes für Sport (Baspo) nachzulesen. Grundsätzlich sollten die Resultate auch für den Thurgau gelten, heisst es beim Baspo. «Es ist jedoch nicht eine repräsentative Stichprobe des Kantons Thurgau befragt worden», schränkt Nadja Mahler vom Baspo ein. Für Peter Bär, Chef des Thurgauer Sportamtes, ist klar: auch Thurgauerinnen und Thurgauer sind immer sportlicher. «Ich beobachte, dass immer regelmässiger Sport gemacht wird.» Das zeige sich auch daran, dass der Thurgau fast die wenigsten übergewichtigen Personen – im Verhältnis zur Kantonsbevölkerung – zählt.

Grosse Wanderlust

Laut Studie ist das Wandern die beliebteste Sportart – dicht auf den Fersen ist dem Spitzenreiter Radfahren, Skifahren, Schwimmen und Joggen. «Auch im Thurgau ist das Wandern beliebt», sagt Peter Bär. Wandern stehe fast jedem offen. Auch beim Verein Thurgauer Wanderwege registriert Stefan Birchler eine wachsende Beliebtheit. Der Geschäftsführer sieht dafür drei Gründe: Entschleunigung, Natur- und Gesundheitsbewusstsein. Gelegenheiten bieten sich viele: Durch den Thurgau führen rund 1060 Kilometer Wanderwege, was fast der Gesamtlänge des Rheins entspricht.

Auch beim Schwimmen dürfte der Thurgau im Schweizer Schnitt – jeder dritte Schweizer schwimmt regelmässig – im Rennen sein. Sportamtschef Bär nennt etwa die Thur und den Bodensee als beliebte Badeorte. In diesem Jahr legt das Sportamt einen Schwerpunkt auf diese Wassersportart. Mit einem Kartenset zur Wassersicherheit will das Amt die Lehrpersonen wieder vermehrt ans Wasser heranführen. Es soll dazu beitragen, Unfälle im, am und auf dem Wasser zu verhindern (unsere Zeitung berichtete).

Fitnesscenter immer beliebter

Die Studie belegt auch, dass die Bevölkerung immer individueller Sport treibt. Beispielsweise beim Hantelnstemmen oder beim Aerobic. In der Schweiz besitzen aktuell rund 16 Prozent ein Abonnement eines Fitnesscenters, 2008 waren es 14 Prozent. Auch im Thurgau eröffnen laufend mehr Fitnesscenter. Ein Beispiel sind die MFIT-Trainingszentren der Migros. 2012 eröffnete MFIT ein Trainingszentrum in Frauenfeld, 2013 folgte eines in Kreuzlingen. In Amriswil plant MFIT die Eröffnung eines Trainingszentrums im Jahr 2017. «Bei optimalem Verlauf», wie Mediensprecherin Natalie Brägger sagt. «Nicht nur der Thurgau, sondern die ganze Ostschweiz ist für MFIT ein Wachstumsmarkt», bestätigt sie. Bei den Trainierenden könne sie aber keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Regionen feststellen: «Die Trainierenden in Kreuzlingen und Frauenfeld sind etwa gleich fleissig wie zum Beispiel jene in Chur.»

«Diese Entwicklung bietet für die Vereine eine Chance, ihr Angebot zu hinterfragen», sagt Sportamtschef Peter Bär. Sie können sich etwa fragen, wie sie dem wachsenden Bedürfnis nach Flexibilität und Individualität nachkommen können. Von Vereinsmüdigkeit ist aber nichts zu spüren. Das halten auch die Autoren der Studie «Sport Schweiz 2014» fest. Rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung ist Mitglied eines Sportvereins. Vereine sind die wichtigsten Sportanbieter – so auch im Thurgau. Interessant: Auch wer nicht mehr in einem Verein ist, wurde wahrscheinlich durch einen Verein an den Sport herangeführt und ist heute noch aktiv.

Sportliche Thurgauer Rekruten

Einen weiteren Beleg für die Thurgauer Sportlichkeit ist der Fitnesstest bei der Rekrutierung. Die Thurgauer Jugendlichen schaffen es beim Standweitsprung und Medizinballwerfen im Rahmen der militärischen Nachwuchsselektion jeweils an die Spitze der Schweizer Kantone. Im Jahr 2013 belegen die Stellungspflichtigen aus dem Thurgau knapp hinter jenen aus Appenzell Innerrhoden und Zürich den vierten Platz – noch fitter sind nur die künftigen Rekruten aus dem Kanton Zug. Das zeigen die aktuellsten Zahlen der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen. Im Jahr 2012 waren die Thurgauer die fittesten; 2011 belegten sie den zweiten Rang unter den 26 Kantonen.

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