Der Thurgau ist jetzt kleiner

Weil die Schweiz neue Koordinaten eingeführt hat, mussten die Kantone neu vermessen werden. Im Thurgau sind diese Arbeiten nun abgeschlossen.

Drucken
Teilen

FRAUENFELD. 80 Planauflagen in 15 Monaten und das teilweise in 13 Gemeinden gleichzeitig: Der Aufbau der amtlichen Vermessung im Kanton Thurgau war teilweise eine logistische Herausforderung. Doch nun sind die Arbeiten abgeschlossen, wie der Regierungsrat mitteilt.

Weil die Schweiz landesweit neue Koordinaten einführt – die alten Koordinaten wurden vom Bund im Jahr 1903 eingeführt und genügen den Ansprüchen nicht mehr – müssen die Kantone neu ausgemessen werden. Das Ergebnis ist: Der Thurgau ist 14 Hektaren kleiner als bisher gedacht. Die Stauchung hat auf den Alltag allerdings keinen Einfluss. Grundeigentümer haben in der Tendenz zwar theoretisch kleinere Parzellen. Auf eine Grundstücklänge von 50 Metern betrage die Stauchung 0,3 Millimeter, wie Werner Ulrich, der damals der Projektverantwortliche im Amt für Geoinformation war, im Frühling 2014 gegenüber unserer Zeitung sagte.

Tägermoos ist Unikum

Die Grundlage für die amtliche Vermessung wurde eigentlich bereits vor über 100 Jahren, mit der Einführung des Zivilgesetzbuches im Jahr 1912 geschaffen. Hauptaufgabe der amtlichen Vermessung ist das Erheben von Grundstücksgrenzen und das Nachführen dieser Daten. Sie dienen unter anderem der grundbuchlichen Eigentumssicherung. Die Daten werden aber beispielsweise auch als Hintergrundinformationen zur Erstellung des Zonenplans, des Leitungskatasterauszugs oder des Ortsplans gebraucht.

Über die Jahrzehnte wurden die Arbeiten der Vermessung nur schleppend vorangebracht, wie der Regierungsrat in seiner Mitteilung schreibt. Erst 1993 kam Bewegung in die Sache, weil neue Rechtsgrundlagen für eine digitale amtliche Vermessung (AV93) eingeführt wurden. Waren im Thurgau 1993 noch sieben verschiedene Kategorien von «unvermessen» bis «vollnumerisch» anzutreffen, gibt es heute einen einheitlichen Stand über das ganze Kantonsgebiet – fast über das ganze Kantonsgebiet. Ein Unikum ist nämlich das Tägermoos: Es ist das einzige Gebiet der Schweiz, für dessen Vermessung das Ausland zuständig ist. Eine neue Regelung im Rahmen eines Staatsvertrags ist in Vorbereitung.

Neue Bezirke angepasst

Jene Teile der amtlichen Vermessung, für welche es kein Meldewesen gibt – wie zum Beispiel Waldrand oder mäandrierende Gewässer – wurden mit der neuen Vermessung erstmals einer umfassenden Kontrolle unterzogen und wo nötig nachgeführt. Diese Anpassungen werden nach einigen Jahren wieder notwendig. Deshalb wurde dafür die Bezeichnung «Periodische Nachführung» eingeführt. Zusammen mit der nun erstmals durchgeführten Periodischen Nachführung konnte der Kanton verschiedene Altlasten aufräumen. So wurde die Bezirksreorganisation in den Daten nachgeführt und auch die Flurnamen wurden an die geläufigen Siedlungsnamen angeglichen.

Im Kanton Thurgau ist nun der vom Bund geforderte Wechsel auf einen neuen, präziseren Koordinatenrahmen vollzogen, wie der Regierungsrat in seiner Mitteilung schreibt. (mvl)

Aktuelle Nachrichten