Der Thurgau hat noch Holz zu verfeuern

Die Thurgauer Wälder liefern mehr Energieholz als heute gebraucht wird. Noch 40 Prozent des nutzbaren Energieholzes liegen brach. Das Potenzial will der Kanton erschliessen – am liebsten mit mehreren Holzkraftwerken.

Christof Widmer
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Energieholz: Vor der Hebbag-Energiezentrale in Balterswil türmen sich Berge von Holzschnitzeln. (Archivbild: Donato Caspari)

Energieholz: Vor der Hebbag-Energiezentrale in Balterswil türmen sich Berge von Holzschnitzeln. (Archivbild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Die Kritiker des von den Stimmbürgern in Bischofszell abgelehnten grossen Holzkraftwerks bekommen recht: Hätte der Stromkonzern Axpo die Anlage gebaut, würde das Brennholz im Thurgau knapp. Diesen Schluss erlaubt die gestern veröffentlichte kantonale Studie zur Energieholznutzung. 40 Prozent des für die Energiegewinnung nutzbaren Holzes liegt demnach zwar noch brach. Das entspricht 65 000 Kubikmetern im Jahr. Das Axpo-Kraftwerk Bischofszell war auf über das Doppelte ausgelegt – es hätte also von weitherum beliefert werden müssen.

Als Energieholz in Frage kommen Äste, Kronenmaterial oder dünne Stämme, für die die Sägereien keine Verwendung haben. Auch ohne Axpo-Kraftwerk will der Thurgau die Energiegewinnung aus Holz um die noch möglichen 40 Prozent steigern. Darin steckt genug Energie, um 5500 Einfamilienhäuser zu heizen.

Dezentrale Kraftwerke

Der Kanton bevorzuge mehrere mittelgrosse Holzkraftwerke, sagt Andrea Paoli, Leiter der kantonalen Abteilung Energie: «Sie sind effizient.» Diese Anlagen könnten dezentral gebaut werden, was die Transportwege für das Holz kurz halte. Gleichzeitig seien sie aber in der Lage, nicht nur Wärme, sondern auch Strom zu produzieren.

Was gebaut wird, muss der Kanton privaten Investoren und den Gemeinden überlassen. Geplant sind derzeit sechs neue Anlagen, die zusammen 18 000 Kubikmeter Holz verbrennen. Für zusätzliche Heizzentralen oder Kraftwerke hat es also noch Platz.

Die Holzenergie ist einer der Schwerpunkte des kantonalen Energieförderprogramms. Beiträge gibt es für alle Arten von Holzfeuerungen – von der Zentralheizung im Einfamilienhaus über die automatische Schnitzelheizung bis zum Holzkraftwerk. Dafür hat der Kanton 2011 knapp 2,5 Millionen Franken gesprochen.

Holz kann erschlossen werden

Der Bau neuer Anlagen ist das eine. Das andere ist, das zusätzliche Holz zu erschliessen. Das sei möglich, sagt Kantonsforstingenieur Daniel Böhi. Ein Teil des Holzes bleibe als Abfall heute einfach auf dem Boden liegen. Der andere Teil werde nicht geschlagen, weil die Besitzer das Gefühl hätten, es sei für sie nicht interessant. Die Förster haben nun die Aufgabe, die Waldbesitzer zu sensibilisieren und ihnen Abnehmer zu vermitteln. Energieholz zu verkaufen, könne sich durchaus lohnen, sagt Böhi. Gut die Hälfte des Potenzials macht zudem Altholz aus Bauabfällen aus, das konsequenter genutzt werden soll.

Der zusätzliche Verbrauch von Energieholz führe nicht zur Übernutzung der Wälder, sagt Böhi. Die Zahlen in der Studie garantierten Nachhaltigkeit. Allerdings tritt die Holzenergiebranche in Konkurrenz zur Industrieholzbranche, die aus demselben Material Spanplatten oder Papier herstellt. Wenn die Preise steigen, könnte vermehrt Nutzholz verfeuert werden, statt dass es in die Sägerei geht.