"Der Thurgau entwickelt sich nicht in den Zentren, sondern in den Dörfer"

WEINFELDEN. Der Oberthurgau geht bei der Raumentwicklung nicht vergessen. Dies hat die Antwort des Grossen Rates auf eine Interpellation des neuen Thurgauer Nationalrats Hermann Hess ergeben. Die wirtschaftliche und räumliche Entwicklung soll entlang der geplanten Bodensee-Thurtalstrasse und der Oberlandstrasse gehen.

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Die Bodensee-Thurtalstrasse soll zur Entwicklung des Thurgaus beitragen. (Bild: Reto Martin)

Die Bodensee-Thurtalstrasse soll zur Entwicklung des Thurgaus beitragen. (Bild: Reto Martin)

Der kantonale Richtplan von 1985 sei darauf ausgerichtet gewesen, den damals strukturschwachen Kanton attraktiver zu machen. Die Entwicklung sei gelungen. In den vergangenen 30 Jahren sei die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner um 34 Prozent auf über 260'000 gewachsen. Dies habe auch einen Bauboom ausgelöst und zu starkem Druck auf den ländlichen Raum geführt. Dies liess der Grosse Rat am Mittwoch verlauten.

Fokus auf Frauenfeld und Kreuzlingen
Zur Zeit ist der Thurgau dabei, ein neues Raumkonzept zu planen, welches unter anderem dem neuen Raumplanungsgesetz des Bundes Rechnung trägt. Laut den Interpellanten, welche die Wirtschaftsverbände vertreten, ging beim Entwicklungskonzept der Oberthurgau zuerst vergessen, weil die Planer sich auf die beiden grössten Städte Frauenfeld und Kreuzlingen als Entwicklungshotspots konzentriert hatten.

Wie der Regierungsrat in seiner Antwort schreibt, wurde die Entwicklungsachse inzwischen geändert. Statt zwei, rücken sechs Entwicklungszentren in den Fokus. Neben Frauenfeld und Kreuzlingen gehören auch Arbon, Amriswil, Romanshorn und Weinfelden dazu. Diese Zentren sollen dereinst durch die geplanten Bodensee-Thurtalstrasse und der Oberlandstrasse verbunden werden, Wohn- und Arbeitsorte sollen möglichst nah zusammen liegen.

Unmut im Hinterthurgau
Die Interpellanten seien mit der Antwort zufrieden, sagte Hermann Hess (FDP, Amriswil) am Mittwoch im Grossen Rat. Bei der Diskussion wurden weitere kritische Stimmen laut. Der Hinterthurgau sei als Entwicklungsregion vergessen worden, sagte Hanspeter Wehrle (FDP, Münchwilen). Es sei unverständlich, dass weder Münchwilen noch Sirnach zu den kantonalen Zentren gehörten. Der Hinterthurgau sei durch den Anschluss an die Autobahn A1 optimal erschlossen, antwortete Hess.

Die Interpellanten wollten jedoch nicht einzelne Regionen gegeneinander ausspielen. Der Thurgau sei anders als viele Schweizer Kantone. Nur die Hälfte der Bevölkerung lebe im urbanen Raum. Auch die 70 Dörfer des Kantons dürften nicht vergessen werden. "Der Thurgau entwickelt sich nicht in den Zentren, sondern in den Dörfern", sagte David Zimmermann, SVP Braunau.

Regierungsrätin Carmen Haag (SVP) wehrte sich gegen den Vorwurf, der ländlichen Struktur werde beim Raumkonzept zu wenig Rechnung getragen. Das Projekt sei noch in Entwicklung. Viele Gespräche seien noch in Gang. "Wir schauen, dass alle 80 Gemeinde zu Wort kommen", sagte die Baudirektorin.