Der Text kommt vor der Musik

FRAUENFELD. Geprägt vom irischen Folk gründeten Hansjörg Enz und Andreas Rüber vor 40 Jahren eine Band. Die Galgevögel gibt es noch heute, auch wenn es längere Pausen gab. Vor dem Jubiläumskonzert am 5. Oktober blicken die Gründer zurück.

Markus Zahnd
Merken
Drucken
Teilen
Ende der 1960er-Jahre haben sich Hansjörg Enz und Andreas Rüber im Lehrerseminar Kreuzlingen kennengelernt – seither sind sie enge Freunde und machen zusammen Musik. (Bild: Donato Caspari)

Ende der 1960er-Jahre haben sich Hansjörg Enz und Andreas Rüber im Lehrerseminar Kreuzlingen kennengelernt – seither sind sie enge Freunde und machen zusammen Musik. (Bild: Donato Caspari)

Es war im Jahr 2003. Die Frauenfelder Band Galgevögel spielte an der Feier zum 200-Jahr-Jubiläum des Kantons Thurgau vor Tausenden Besuchern am Frauenfelder Postkreisel. Danach war Schluss. «Ich hatte schlicht genug», sagt Andreas Rüber. Drei Jahre lang wollte das Gründungsmitglied nichts mehr von der Band wissen. Dann kam der Anruf von Hansjörg Enz. «Wir setzten uns zusammen, und kurz darauf waren wir wieder eine Band», erzählt Rüber.

Erst hiessen sie Galgenbaum

Rüber und Enz – die beiden haben die Galgevögel nicht nur gegründet, sie sind seit 40 Jahren das Herz und die Seele der Band. Sie lernten sich einst am Lehrerseminar Kreuzlingen kennen, traten in Hüttwilen ihre erste Lehrerstelle an und machten abends zusammen Musik. «Anfangs einfach so», sagt Enz. Dann kam der irische Folk in die Schweiz, das prägte die beiden. Sogar beim Namen liessen sie sich von einer Folk-Band inspirieren. «Es gab einen Song von Finbar and Eddie Fury. Dort geht es darum, dass jemand gehängt werden soll, letztlich wird er von der Freundin freigekauft», sagt Enz. Daher nannten sie sich 1973 Galgenbaum, drei Jahre später wurden die Galgevögel daraus.

Anfangs spielten sie auch die Songs ihrer Idole. «Doch irgendwann wurde uns bewusst, dass wir eigene Texte schreiben und Mundart singen müssen, wenn wir eine Aussage machen wollen», sagt Enz. Und die Galgevögel wollen etwas aussagen. Noch immer sind die Texte – die meisten stammen von Enz und Rüber – politisch und mit einer klaren Botschaft. Oftmals geht es um Einzelschicksale, um gesellschaftliche Entwicklungen oder auch mal um den eigenen Grossvater. Enz und Rüber betonen, dass bei ihnen der Text immer vor der Musik kommt.

Die Galgevögel 1996: Andreas Aeppli, Rolf Stauffacher, Hansjörg Enz, Willi Valotti, Roman Schwaller, Andreas Rüber, Urs Klauser und Robert Fricker. (Archivbild: Galgevögel)

Die Galgevögel 1996: Andreas Aeppli, Rolf Stauffacher, Hansjörg Enz, Willi Valotti, Roman Schwaller, Andreas Rüber, Urs Klauser und Robert Fricker. (Archivbild: Galgevögel)

Verschwägert und befreundet

Enz und Rüber, die beiden sind verschwägert und privat seit Jahrzehnten eng befreundet, waren sich dabei meist einig. «Manchmal hat es einfach etwas länger gedauert, bis wir zusammenfanden», sagt Rüber mit einem Lachen. Die heute 62-Jährigen mussten sich aber auch stets finden. Denn sie sind die beiden einzigen, die seit der Gründung dabei sind. «Wir hatten tatsächlich viele Umbesetzungen. Aber das kann immer auch eine Chance sein», sagt Rüber. Die Band wurde durch die Wechsel immer wieder verjüngt und habe sich weiterentwickelt.

Und dennoch gibt es besonders für Enz eine «Traumbesetzung». 1996 nahmen sie mit «September» ihre fünfte von insgesamt sieben Platten auf. Mitgespielt haben unter anderem der Frauenfelder Jazz-Saxophonist Roman Schwaller oder der schweizweit bekannte Akkordeonspieler Willi Valotti. «In dieser Besetzung hatten wir wohl das grösste Potenzial», sagt Enz. In den Anfangsjahren spielte auch Seminarkollege Werner Widmer – heute bekannt als Bluesmax – bei den Galgevögeln.

Das Plakat des Open Air St. Gallen aus dem Jahr 1989. Unten rechts wird auch der Auftritt der Galgevögel angekündigt. (Bild: pd)

Das Plakat des Open Air St. Gallen aus dem Jahr 1989. Unten rechts wird auch der Auftritt der Galgevögel angekündigt. (Bild: pd)

Doch trotz starker Besetzungen hat es der Frauenfelder Band – wobei das erst seit dem Umzug Enz' und Rübers im Jahr 1978 zutrifft – nie ganz nach oben gereicht. «Wir passten in keine Schublade, zudem war uns der Text stets wichtig», sagt Enz. Vielleicht liege es aber auch am Thurgauer Dialekt, der nicht für den Erfolg geschaffen sei, vermutet er. Rüber wird in dieser Hinsicht deutlicher: «Plattenfirmen haben uns schon abgelehnt, weil ihnen unser Dialekt nicht passte.»

Konzert vor drei Zuschauern

Beeindruckende Erlebnisse gab es gleichwohl. Da sind zum Beispiel die Auftritte am OpenAir St. Gallen oder jener auf dem Gurten im Jahr 1988. Ausserdem erinnert sich Enz an ein Konzert in Schaffhausen. «Wir hatten – je nach Quelle – drei bis acht Zuhörer. Aber wir haben alles gegeben, es war ein tolles Konzert, das ich nie vergessen werde.»

Das nächste beeindruckende Erlebnis soll am 5. Oktober stattfinden. Dann feiern die Galgevögel im Casino ihr 40-Jahr-Jubiläum. «Irgendwie schenken wir dieses Konzert auch uns selber. Viele Ehemalige werden dabei sein, insgesamt stehen 17 Musiker auf der Bühne», verrät Rüber. Die Geschichte der Band ist damit noch nicht zu Ende erzählt. «2014 präsentieren wir ein neues Programm», sagt Rüber. Er hat also doch noch nicht genug.

Samstag, 5. Oktober: Jubiläumskonzert 40 Jahre Galgevögel, 20 Uhr, Casino Frauenfeld