Der Tetra-Pak endet in Weinfelden

WEINFELDEN. Die Firma Model ist bald in der Lage, alle Getränkekartons der Schweiz zu rezyklieren. Dafür investiert sie 35 Millionen Franken. Noch fehlt aber ein nationales Sammelsystem, das auch sämtliche Getränkekartons nach Weinfelden bringt.

Silvan Meile
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An 90 Stellen in der Schweiz kann die Bevölkerung separat gesammelte Getränkeverpackungen abgeben. (Bild: pd)

An 90 Stellen in der Schweiz kann die Bevölkerung separat gesammelte Getränkeverpackungen abgeben. (Bild: pd)

«Model ist die einzige Firma auf dem Platz Schweiz, die das machen kann», sagt Raymond Schelker. Der Geschäftsführer des Vereins Getränkekarton-Recycling Schweiz will die Verpackungen wie Tetra-Paks rezyklieren statt verbrennen. Er ist darum bemüht, in der Schweiz ein nationales Recyclingsystem für Getränkekartons zu etablieren. Während eines dreijährigen Pilotprojekts testete der Verein bereits die grossflächige Separatsammlung dieser Getränkekartons.

An 90 Sammelstellen in elf Kantonen fallen mittlerweile monatlich mehr als 30 Tonnen Getränkekartons an. Statt in der Kehrichtanlage zu verbrennen, werden sie nach Weinfelden zur Firma Model gefahren und wiederverwertet. Die beteiligten Akteure trafen sich am Mittwoch zu einer Tagung in Weinfelden.

Wertvollen Rohstoff gewinnen

Die Getränkekartons bestehen aus 75 Prozent Papier, 22 Prozent Kunststoff und 3 Prozent Aluminium. Beim Weinfelder Verpackungshersteller Model interessieren die Fasern im Papieranteil des Recyclingmaterials. «Die lange Faser ist ein wertvoller Rohstoff, aus dem wieder Karton entstehen kann», sagt Andreas Klumpp, Betriebsleiter der Papierfabrik Model AG. Auf einer Maschine zur Wiederaufbereitung von beschichteten und nassfesten Papierprodukten können diese Fasern zurückgewonnen werden. Das kostet die Firma Model zwar Geld, sie gewinnt dafür aber einen immer teurer werdenden Rohstoff zurück, den sie dadurch nicht beschaffen muss. Wenn die gesammelte Menge Getränkekarton kostenlos auf das Gelände der Firma Model geliefert werde, sei die Rückgewinnung der Fasern wirtschaftlich vertretbar. «Wir sind als kleine Papierfabrik auf dem internationalen Markt gezwungen, innovativ zu sein», sagt Betriebsleiter Klumpp.

Model schafft Kapazitäten

Auch deshalb investiert die Model AG nun 35 Millionen Franken in eine neue Stoffaufbereitungsanlage für «Problempapiere», zu denen Klumpp die Getränkekartons zählt. Mit dieser Investition könne man etwa ab Ende 2016 das Recycling aller in der Schweiz anfallenden Getränkekartons übernehmen und gleichzeitig nahezu alle Arten von Papieren verarbeiten, wie es heute in Europa nur wenige Papierfabriken könnten, sagt Klumpp.

Die Investition der Model spielt Raymond Schelker vom Verein Getränkekarton-Recycling Schweiz in die Karten. Für ihn dürfte die Gewissheit, dass die Firma Model die komplette Menge an Getränkekartons verarbeiten kann, ein Meilenstein auf dem Weg zu einem nationalen Sammelkonzept sein. «So können wir die Verwertung und die Wertschöpfung in der Schweiz behalten», sagt er. Denn keine andere Schweizer Firma ist in der Lage, dieses Material so zu rezyklieren. «Wenn wir das nicht machen, dann ist die Verwertung in der Schweiz in Frage gestellt», sagt Model-Betriebsleiter Klumpp.

Hürden für nationales System

Die Pilotphase habe gezeigt, dass eine grossflächige Sammlung «ökologisch sinnvoll, technisch machbar und wirtschaftlich tragbar» sei, sagt Schelker. Mit einer vorgezogenen Recyclinggebühr von zwei Rappen pro Getränkekarton wäre es finanzierbar. Dafür braucht es aber noch mindestens zwei Hürden zu nehmen: eine Branchenvereinbarung der Detaillisten und eine entsprechende Rahmenbedingung. Schelker ist optimistisch: «2018 könnte eine nationale Sammlung starten», sagt er. Bei der Model dürfte dann die Menge an Getränkekartons sprunghaft ansteigen. Von monatlich 30 Tonnen auf rund 1500.

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