Der Star des Abends war abwesend

Die Grünen Hinterthurgau luden zu einem Referat über das Potenzial der Windenergie im Thurgau. Thomas Volken von der Abteilung Energie des Kantons Thurgau berichtete, dass bis zu 15 Prozent des Strombedarfs durch Wind gedeckt werden könne.

Ruth Bossert
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Auf der Oberen Weid in Braunau steht ein 90 Meter hoher Messturm. (Bild: Reto Martin)

Auf der Oberen Weid in Braunau steht ein 90 Meter hoher Messturm. (Bild: Reto Martin)

SIRNACH. Kein Lüftchen wehte an diesem Abend. Und dennoch war der Wind das Hauptthema auf der Hochwacht in Sirnach. Es ging nämlich darum, die potenzielle Energie des Windes in unmittelbarer Nähe des Turms und der Besenbeiz Roset zu nutzen. Den von der Grünen Bezirkspartei organisierten Anlass am Donnerstagabend besuchten zwei Dutzend Interessierte, die sich vom Projektleiter Thomas Volken, Abteilung Energie des Kantons Thurgau, über die Erhebung des Windpotenzials unterrichten liessen.

Wind mit grossem Potenzial

«Die von der Regierung in Auftrag gegebene Studie über das Potenzial der Windenergie im Thurgau hat viele überrascht», sagte Volken gleich zu Beginn seiner Ausführungen. Niemand hätte daran geglaubt, dass 10 bis 15 Prozent des Strombedarfs im Kanton durch Windenergie gedeckt werden könnten. Von den acht möglichen Standorten, wo Windräder aufgestellt werden könnten, befinden sich zwei Gebiete im Hinterthurgau. Dabei ist das Gebiet Eschlikon/Littenheid nicht im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) aufgeführt. Dort gäbe es auch weniger Einschränkungen als im Gebiet Bichelsee/Fischingen, das sich im BLN-Gebiet befindet. Im angrenzenden Gebiet Braunau/Wuppenau habe eine Genfer Firma bereits einen Windmessmast aufgestellt, um herauszufinden, ob sich eine Windturbine auszahlt.

Für Thomas Volken stellt sich die Frage nicht, ob wir uns von der Kernenergie weg bewegen. Für ihn ist klar, dass der wirtschaftliche Entscheid uns auf den Weg schicken wird. «Für mich heisst deshalb die Frage: Wie schnell gehen wir auf den Weg?» Selbstverständlich brauche es das Zusammenspiel von allen erneuerbaren Energien, um der Forderung des Bundesrates und der Energiestrategie 2050 gerecht zu werden. Mit einer breiten Begleitgruppe aus den Bereichen Landwirtschaft, Vogelschutz, Umweltorganisationen, Jagd, Wald und Raumplanung und neuen Techniken wie mobilen Lasermessgeräten habe man das Windpotenzial im Thurgau erarbeitet und im vergangenen November der Öffentlichkeit vorgestellt, erklärte Volken weiter. Die Ergebnisse waren auch für Fachleute erstaunlich und man stellte fest, dass nicht die Bise uns die Windenergie liefere, sondern der West- bis Südwestwind. Im Thurgau sei es auch nicht das Thurtal, das uns Windenergie liefern könne, sondern ganz klar die Hügel.

Zu Kompromissen bereit

Das Potenzial aller acht Gebiete im Thurgau würde bei 59 Anlagen ungefähr 230 Gigawattstunden Strom liefern. Während in Braunau eine Tochtergesellschaft der Genfer Stadtwerke bereits eine Windmessanlage installierte, ist man an den anderen Standorten im Hinterthurgau noch weit davon entfernt. In Frage kämen hier der Landsberg, der Hackenberg und die Hochwacht. Dafür braucht es Investoren, die sich für ein Gebiet stark machen. Pro-Natura-Präsident Toni Kappeler erklärte deutlich, dass für ihn unter keinen Umständen ein BLN-Gebiet in Frage käme, ansonsten sind sie im Rahmen ihrer Energiestandpunkte zu Kompromissen bereit.