Der Stall stinkt nicht mehr

Die Haltung von Nutztieren bringt Emissionen mit sich: Ammoniak, Treibhausgase und Gestank. Diese zu reduzieren, ist das Ziel des Emissionsversuchsstalls, der gestern in Aadorf eingeweiht wurde.

Christof Lampart
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Kerstin Zeyer (rechts) von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt erklärt, wie die Messanalytik im Versuchsstall funktioniert. (Bild: Christof Lampart)

Kerstin Zeyer (rechts) von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt erklärt, wie die Messanalytik im Versuchsstall funktioniert. (Bild: Christof Lampart)

AADORF. 400 Meter ausserhalb Aadorfs, Richtung Wängi, befindet sich das Betriebsgelände Waldegg. Dort steht ein Stall, der nicht stinken soll. Eingerichtet hat diesen Emissionsversuchsstall Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung. Gestern vormittag fand die offizielle Einweihung statt. Der Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt, Gérard Poffet, lobte den Platz: «Agroscope hat hier einen Ort gefunden, der abseits von anderen Ammoniakquellen liegt und somit ideal für den Forschungszweck ist.»

Forschung und Praxis in einem

Das Ziel des Versuchsstalls ist es, Massnahmen zur Minderung von Emissionen wie Ammoniak, Treibhausgas oder Gestank zu entwickeln und zu überprüfen, ob sie wirken. Laut Institutsleiter Paul Steffen geschieht dies vor dem Hintergrund, dass die gesamtschweizerischen Emissionen von Ammoniak um 40 Prozent gesenkt werden müssen. Das ist in den Umweltzielen für die Landwirtschaft festgehalten. Ausserdem soll entsprechend der «Klimastrategie Landwirtschaft» die Freisetzung von klimarelevanten Gasen bis 2050 um einen Drittel gesenkt werden. Zur Erreichung beider Ziele seien bauliche und verfahrenstechnische Massnahmen in der Rindviehhaltung unerlässlich, führte Steffen weiter aus. Doch bisher fehlten praxistaugliche Massnahmen, die in Stallsystemen für Milchvieh umgesetzt werden konnten. «Der Emissionsversuchsstall soll Abhilfe schaffen. Denn er ermöglicht uns eine wissenschaftlich fundierte Forschung und dient gleichzeitig als Anschauungsobjekt für praxistaugliche Lösungen.» Die Massnahmen zu Emissionsminderungen will Agroscope aber nicht alleine entwickeln. Das Institut sucht die Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten und Unternehmern.

Hoher Stellenwert im Thurgau

Agroscope-Chef Michael Gysi zeigte sich zufrieden, «dass wir nun diesen Stall haben, der es erlaubt, Felddaten zu sammeln». Bis jetzt seien diese im Bereich Stallhaltung und Ammoniak schwach. Gysi zeigte sich davon überzeugt, dass genau diese Frage immer relevanter werden wird. Die Messung des Minderungspotenzials erfolgt mit einer neuen Methode für frei belüftete Ställe, die Agroscope mit der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) entwickelte.

Ueli Bleiker, Leiter des Landwirtschaftsamtes Thurgau, unterstrich die Bedeutung des Versuchsstalls für den Kanton. «Jede siebte Arbeitsstelle im Thurgau hat mit der Landwirtschaft zu tun. Insbesondere die Milchwirtschaft hat einen hohen Stellenwert. Bei den Laufställen sind wir sogar führend.»

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