Der Stadtrat will kein Info-Blatt

DIESSENHOFEN. Was in anderen Gemeinden gang und gäbe ist, will Diessenhofens Regierung auf keinen Fall. Informationen aus der Stadt können auf der Homepage eingesehen werden. Das genügt nicht, findet das Forum «attraktives Diessenhofen».

Caspar Hesse
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Nicht in Diessenhofen: Gemeinde-Infoblätter aus der Region. Eschenz hat 2010 aufgefrischt, von der Eschezer Dorfzytig zum Eschenzer Leu. (Bild: Caspar Hesse)

Nicht in Diessenhofen: Gemeinde-Infoblätter aus der Region. Eschenz hat 2010 aufgefrischt, von der Eschezer Dorfzytig zum Eschenzer Leu. (Bild: Caspar Hesse)

Das Forum «attraktives Diessenhofen» ist enttäuscht darüber, dass ihre Idee eines stadteigenen Informationsblatts vom Stadtrat «abgeschmettert» wird, wie Vizepräsident Urban Brütsch auf Anfrage der TZ sagt. Das Forum ist ein Verein aus Einwohnerinnen und Einwohnern Diessenhofens, die sich laut eigenen Angaben für eine nachhaltige Entwicklung und Gestaltung der Altstadtzone und der Aussenquartiere einsetzen.

Das Forum gesteht dem Stadtrat zwar zu, dass die Homepage «viel Nützliches, Interessantes, auch Tagesaktuelles enthält», wie es in einem Leserbrief des Forumsvorstands im «Boten vom Untersee und Rhein» heisst. Dieser Weg gehe allerdings von einer «Holschuld» des Einwohners aus. Das Forum findet demgegenüber, der Stadtrat habe eine Bringschuld.

«Antiquiertes Relikt»

In einer nicht repräsentativen Strassenumfrage hat sich eine Mehrheit der Befragten für ein städtisches Infoblatt ausgesprochen. Die Antwort des Stadtrates auf die Anregung des Forums habe indes nur gelautet: «antiquiertes Relikt».

Diessenhofens Stadtschreiber Armin Jungi empfiehlt auf Anfrage der TZ: «Wer regelmässig informiert sein will, schaut einmal wöchentlich auf die Homepage der Stadt.» Unter «News» kann man sich auf dem Laufenden halten. Personen, die keinen Internetzugang haben, gebe es immer weniger, sagt Jungi weiter. Doch auch für diejenigen sei gesorgt. Auf der Verwaltung liege öffentlich ein Exemplar des «Boten vom Untersee und Rhein» auf. Diese Zeitung ist amtliches Publikationsorgan, so dass man auch dort alle relevanten Informationen finde. Zudem müsse man berücksichtigen, dass ein solches Angebot, das zu 90 Prozent im Altpapier landen werde, auch wieder Kosten nach sich zieht.

Aufwand nicht unterschätzen

Am Anfang bestehe jeweils eine «Rieseneuphorie», und nachher würden 80 Prozent redaktionelle Füller drinstehen, meint Jungi. Im Übrigen könne man durch den Verzicht eine regionale Zeitung stärken.

Eine Gegenposition nimmt Eschenz ein. Dort hat man das Gemeindeblatt 2010 komplett revidiert. Man dürfe aber den Aufwand nicht unterschätzen, sagt Gemeindeschreiber Thomas Fleischmann. Eschenz wolle nicht nur auf elektronische Medien setzen, das komme sogar bei den Jungen gut an. Verständnis hat Fleischmann für den Diessenhofer Stadtrat, dass eine erstmalige Einführung in der heutigen Zeit eine grössere Hürde sei als eine Weiterführung. Die Kosten für den «Eschenzer Leu» belaufen sich auf 7000 Franken im Jahr, wobei mehr als die Hälfte über Inserate gedeckt wird. Da ist die Arbeitszeit aber nicht inbegriffen.