Der Sprung in die Freiheit

Die Jungfreisinnigen wehren sich gegen ein Verbot des Brückenspringens. Mutige wagten gestern den Selbstversuch von der Steiner Brücke. Mit dabei GLP-Nationalrat Thomas Böhni.

Ida Sandl
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Liberale springen von der Steiner Brücke: Thomas Böhni, Lukas Manser und Linda Brunner. (Bild: Reto Martin)

Liberale springen von der Steiner Brücke: Thomas Böhni, Lukas Manser und Linda Brunner. (Bild: Reto Martin)

STEIN AM RHEIN. «Jung, freisinnig und sexy» steht auf dem Shirt von Linda Brunner. In diesem Oberteil will sie von der Steiner Brücke springen, sechs Meter tief in den blau-grünen Rhein. Linda Brunner, 23 Jahre alt, Betriebswirtschaftsstudentin und Präsidentin der Thurgauer Jungfreisinnigen, macht das zum ersten Mal. In Frauenfeld, wo sie herkommt, wäre so etwas auch viel zu gefährlich.

Jetzt steht Linda Brunner an der Aussenseite des Geländers. Sie muss nur noch loslassen und die Füsse anziehen. Neben ihr macht sich Lukas Manser aus Affeltrangen zum Sprung bereit. Der 23-Jährige ist Vizepräsident der Jungfreisinnigen. Er ist vor Jahren schon gesprungen, ausserdem fliegt er mit dem Gleitschirm. Die Höhe schreckt ihn nicht.

Frage von Mut und Tradition

«Es braucht schon etwas Mut», sagt Thomas Böhni, Nationalrat der Grünliberalen aus Frauenfeld, der dritte Springer. Böhni ist in Stein am Rhein aufgewachsen. Zu einer Kindheit gehöre das Brückenspringen, sagt Böhni. Damit seien Generationen von Steinern und Diessenhofern gross geworden. «Das ist hier Tradition.»

Jetzt aber will die internationale Schifffahrtskommission für den Bodensee das Brückenspringen verbieten. Die Schifffahrtsordnung liegt derzeit bei der EU in Brüssel zur Prüfung.

«Alles wird reglementiert. Wo bleibt da die Selbstverantwortung des einzelnen?» fragt Lukas Manser. So ein Verbot sei gar nicht umsetzbar, glaubt Linda Brunner. «Wie will man das kontrollieren?» Schon letztes Jahr, als das Verbot diskutiert wurde, haben sich die Jungfreisinnigen gewehrt. Damals mit Worten, jetzt mit Taten.

Rote Flecken kann es geben

Im August vor einem Jahr landete ein Brückenspringer in Diessenhofen auf einem Motorboot und verletzte sich und die Frau auf dem Boot. Sonst kann sich Böhni an keinen Vorfall mit Verletzten erinnern. Rote Flecken könne es aber schon geben, wenn man unglücklich am Wasser auftrifft. Brückenspringer müssen zu zweit sein: Einer passt auf, dass kein Schiff unter der Brücke durchfährt. Vorsichtshalber warten die Springer noch ein paar Minuten, für den Fall, dass sich bereits ein Boot unter der Brücke befinden sollte. Es sei ein relativ kontrollierter Spass, meint Böhni. «Schlauchboot-Fahren ist gefährlicher.» Ausserdem sei es besser, ein Jugendlicher teste hier seinen Mut aus. «Dann muss er später nicht irgendwo auf der Welt Bungee jumpen.»

«Eins, zwei, drei», zählt Böhni. Linda Brunner springt, Füsse voraus. Die beiden anderen hinterher. Es ist nur ein kurzer Augenblick und ihre Köpfe tauchen im Wasser wieder auf. Tropfnass sind sie als sie am Ufer ankommen. Ihre Gesichter strahlen. «Es hat wahnsinnig Spass gemacht», sagt Linda Brunner. Lukas Manser war überrascht, wie stark die Strömung im Rhein ist. Böhni, der Nationalrat sagt: «Jetzt hoffen wir, dass es auch politisch etwas bringt.»

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