Der Spagat zwischen Kopf- und Tanzmusik

Drei Frauenfelder Anfang-Dreissiger gründen in Bern eine Band, nennen sie Parrot To The Moon und spielen Musik, die einen David-Lynch-Film untermalen könnte. Das tönt nach Synthesizer-Pop mit Achtziger-Chic. Heute abend stehen sie in Frauenfeld auf der Bühne und taufen ihr neues Minialbum.

Mathias Frei
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FRAUENFELD. Irgendwie unschweizerisch: So klingt das Minialbum «Chemistry» von Parrot To The Moon. Bei diesem Synth-Pop mit musikalischen Reminiszenzen an die Achtziger denkt man zuerst an Berlin, London oder New York – zuallerletzt an Frauenfeld. Aber in der Thurgauer Kantonshauptstadt haben sich die drei Anfang-Dreissiger Sacha di Piazza (links im Bild), Dominique Hindermann (Mitte) und David Muther (rechts) zu Sandkastenzeiten kennen gelernt. Mittlerweile wohnen alle drei in Bern.

Vor möglichst vielen Menschen

Di Piazza, Hindermann und Muther sind zwar Kantilehrer, Umweltingenieur und Musikproduzent. Aber Parrot To The Moon sind nicht wie viele Schweizer Bands. Muther spricht von der Schweizer Musikerkrankheit: «Musik ist oft nur das zweite Standbein, man probiert einmal etwas, und wenn es mit der Musik nicht klappt, kann man immer noch zurück.» Parrot To The Moon wollen aber nicht zurück, sondern «vor möglichst vielen Menschen möglichst viele Konzerte spielen», wie Hindermann sagt. Die Sterne dafür stehen gut.

Die Musikpresse in England, Deutschland oder Polen ist voll des Lobes über das Schweizer Trio. Bis Ende Jahr stehen Konzerte in der Schweiz an. Anfang 2016 beginnen die Arbeiten am ersten Album, nach bisher zwei veröffentlichten Minialben, sogenannten EPs. «Wir haben derzeit rund 40 Songideen», sagt Muther. Erste Deutschland-Konzerte für das kommende Jahr stehen schon fest. Und mit dem neuen Album halten Parrot To The Moon auch eine kleine US-Clubtour für nicht abwegig.

Zuvor schicken die drei Heimweh-Frauenfelder aber einen Papagei zum Mond, wenn man ihren Bandnamen aus dem Englischen übersetzt. Hindermann bereiste vor fünf Jahren Neuseeland. Übernachtet wurde im Zelt. Da kam ihm irgendwann das Bild vom Papagei mit Fernweh in den Sinn, der zum Mond hinauf wollte. 2011 wurde dann Parrot To The Moon aus der Taufe gehoben. «Da hat man einen Bandnamen und muss ihn dann mit Inhalten füllen», sagt Hindermann.

Die musikalischen Inhalte füllten sie anfangs noch zu viert und spielten Indie-Rock. Dann verliess der Drummer und einzige Nicht-Frauenfelder die Band – und Parrot To The Moon machten die Wandlung von der Rockformation zum Elektronik-Act. «Wir drei sind gleichsam fasziniert von alten Analog-Synthesizern. Jede Maschine hat ihren eigenen Klang», erzählt Hindermann.

Nachts auf der Autobahn

«Unsere Musik ist sehnsüchtig», sagt Muther – wie der Papagei. Oder wie es im Pressetext der Band heisst: vergleichbar mit einer nächtlichen Fahrt auf der leeren Autobahn. Das ist dann sowohl Tanz- als auch Kopfmusik, manchmal ekstatisch, manchmal introvertiert, immer überlegt.

In der elektronischen Musik sind derzeit Achtziger-Anleihen beliebt. In ihrer Musik gehe es aber weniger um Effekthascherei, sagt Muther. Vielmehr stellen die Achtziger für die Musiker den Beginn ihrer musikalischen Sozialisation dar. Ein Heimkommen der anderen Art sei für ihn der Geruch der Zuckerfabrik im Herbst, sagt Hindermann. Heute wird Parrot To The Moon dieser Geruch in die Nase steigen, wenn sie in Frauenfeld spielen.

Konzert und Plattentaufe: heute abend, «Dreiegg», Frauenfeld Türöffnung: 21 Uhr Afterparty mit Vectronic (Minimal) www.parrottothemoon.com