Der Schmerz ist ein Drachen

Die Horner Pfarrerin Karin Kaspers-Elekes sprach in Oberneunforn über Palliative Care.

Theres Schurter
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Karin Kaspers-Elekes, Theologin. (Bild: Therese Schurter)

Karin Kaspers-Elekes, Theologin. (Bild: Therese Schurter)

OBERNEUNFORN. Pfarrer Bruno Ammann durfte letzten Dienstagabend 25 Interessierte im Gemeindehaus Oberneunforn zu einem Vortrag über Palliative Care begrüssen. «Sie sind mutig», begrüsste er die in Norddeutschland aufgewachsene Pfarrerin von Horn, Karin Kaspers-Elekes, Vorstandsmitglied des Vereins Palliative Ostschweiz. Sie ermunterte ihre Zuhörer, achtsam durchs Leben zu gehen, mit allen Sinnen anwesend zu sein und den zweiten Blick zuzulassen. «Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.»

Angst sei Schmerz verstärkend. Wir müssten anerkennen, dass Sterben ein Stück des Lebens sei. Den Schmerz, erklärt Kaspers-Elekes, solle man sich als vierköpfigen Drachen vorstellen. Die physische Komponente sei der körperliche Schmerz, die emotionale Komponente bestehe aus Isolation und Verlassenheit, die soziale Komponente handle von Angst um die Nächsten, die spirituelle Komponente bedeute das Empfinden von Haltlosigkeit.

In jedem Abschied stecke Trauer, die jedoch auch helfe, im Leben zu bleiben. «Wenn der Todgeweihte jemanden einlädt, ihn auf seinem letzten Wegstück zu begleiten, ist das ein Geschenk.»

Palliative Care setzt hier laut der Referentin den Schwerpunkt. Sie gewährleiste den Patienten eine ihrer Situation angepasste, optimale Lebensqualität bis zum Tode und unterstütze die Bezugspersonen. Es werde der Tatsache Rechnung getragen, dass Lebensqualität für jeden Menschen etwas anderes bedeute. Doch auch hier gelte: Unser letzter Weg wird erst sichtbar, wenn man ihn am Gehen ist.

Im Anschluss an den Vortrag wurde lebhaft diskutiert, und manch einer war froh, nicht sofort mit seinen Gedanken alleine in der dunklen Nacht verschwinden zu müssen.