Der Schandfleck verschwindet

MÜNCHWILEN. Seit einem Jahrzehnt debattiert Münchwilen, wie es mit dem verwitterten Gasthof Engel im Zentrum weitergehen soll. Grundeigentümer Paul E. Walser hat ein Projekt ausgearbeitet und will nun das Baugesuch bei der Gemeinde deponieren.

Simon Dudle
Drucken
Teilen
Nach dem Umbau und der Sanierung soll der «Engel» so aussehen. Neu dazu kommt ein Gewerbe-Trakt. (Bild: Visualisierung: pd)

Nach dem Umbau und der Sanierung soll der «Engel» so aussehen. Neu dazu kommt ein Gewerbe-Trakt. (Bild: Visualisierung: pd)

Er heisst zwar «Engel», gilt aber als Schandfleck des Dorfes. Die Rede ist von jenem Gasthof, der im 17. Jahrhundert erbaut wurde, früher den Pilgern als Herberge diente und Fuhrleuten von Postkutschen als Gasthaus. Schon seit geraumer Zeit präsentiert sich der «Engel» mit einer verwitterten Fassade, an manchen Stellen bröckelt der Verputz. Das Gebäude ist der Lage mitten im Dorf unwürdig – ein richtiger Schandfleck. Im Dorf wünschen sich alle, dass der «Engel», so wie er jetzt ist, bald verschwindet. Wie wir bereits berichteten, fordert aber eine Gruppe von 43 Münchwiler Personen in einer Petition, dass der Charakter des Gebäudes erhalten bleibt.

Gegenseitige Vorwürfe

Dem Münchwiler Gemeindeammann Guido Grütter geht es in dieser Thematik allerdings zu wenig schnell vorwärts. In der aktuellen Ausgabe der «Münchwiler Nachrichten» hat er Kritik am Grundeigentümer Paul E. Walser aus Niederwil geäussert. So gehe es Walser hauptsächlich darum, eine möglichst hohe Rendite herauszuholen. Dies lässt Walser nicht auf sich sitzen und sagt: «Wir haben der Firma Bommer die Räume vermietet, ihr so aus einer Notlage geholfen und dafür gesorgt, dass sie im Dorf bleiben kann. Wir bekommen nur einen ganz bescheidenen Mietzins. Das hat nichts mit Renditedenken zu tun, sondern mit sozialem Engagement.»

Grütter schreibt in der offiziellen Mitteilung weiter, dass der Eigentümer nicht für eine passende Infrastruktur für einen Pächter sorge. «Der <Engel> hat keine Infrastruktur. Wir wollen seit zehn Jahren etwas machen. Jedoch hat auch die Gemeinde keinen Finger bewegt, um uns einen Pächter zu bringen», entgegnet Walser.

Glaubt man den Worten von Walser, dann wird es in den nächsten Tagen aber vorwärtsgehen mit dem «Engel». «Wir sind nun so weit, dass die Baueingabe erfolgen kann. Dies dürfte Anfang September der Fall sein», sagt Walser weiter.

Fassade bleibt erhalten

Die involvierten Parteien haben sich im Frühjahr das Grundstück angeschaut, und Walser präsentierte dabei seine Pläne, mit denen sich die Baukommission der Gemeinde einverstanden erklärte. Walser hat vor, im vorderen Teil die oberen beiden Stockwerke zu renovieren und gesamthaft vier Wohnungen zu errichten. Da die Fassade geschützt ist, wird sie belassen. Das Dach und die Fenster müssen aber erneuert werden. Derzeit ist dieser Teil des Hauses nicht bewohnbar und hat nicht einmal eine Heizung. Das Restaurant im Erdgeschoss soll vorderhand nicht angerührt werden. Der Stall im hinteren Teil wird abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt, der mit dem vorderen Teil verbunden ist. Die Firma Bommer hat Interesse bekundet, sich dort einzumieten.

Abbruch noch dieses Jahr

Walser geht davon aus, dass ihn die Um- und Neubauarbeiten fünf Millionen Franken kosten werden. Verläuft alles nach Plan – gibt es also keine Einsprachen aus der Bevölkerung –, kann gemäss Walser noch dieses Jahr mit dem Abbruch und nächstes Jahr mit dem Bau begonnen werden. Noch im Jahr 2013 hätte Münchwilen dann einen neuen «Engel» – und wäre einen Schandfleck los.

So sieht der Gasthof Engel im Zentrum von Münchwilen heute aus. (Bild: pd)

So sieht der Gasthof Engel im Zentrum von Münchwilen heute aus. (Bild: pd)

Aktuelle Nachrichten