Der sanfte Riese

Mit nur 49 Jahren starb Vito Famiglietti am 12. Januar an Herzversagen. Seine Passion waren sein Fitnesscenter, das Bodybuilding, Trouvaillen von besonderen Autos, seine Harley – und sein Geigenspiel.

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Vito Famiglietti (8.6.1963 – 12.1. 2013) erfüllte sich mit dem Geigenspiel einen Bubentraum. (Bild: Regula Raas)

Vito Famiglietti (8.6.1963 – 12.1. 2013) erfüllte sich mit dem Geigenspiel einen Bubentraum. (Bild: Regula Raas)

Mit nur 49 Jahren starb Vito Famiglietti am 12. Januar an Herzversagen. Seine Passion waren sein Fitnesscenter, das Bodybuilding, Trouvaillen von besonderen Autos, seine Harley – und sein Geigenspiel. Diese besondere Kombination an Hobbies und sein imposantes Äusseres machte Vito Famiglietti zu einer schillernden Persönlichkeit in Frauenfeld.

Vor acht Jahren hatte er beschlossen, sich seinen Kindheitstraum zu erfüllen, kaufte sich eine Geige und kam seither regelmässig in die Stunde auf den Seerücken. Als er im September 2005 eines Abends erstmals vor der Türe stand, freute ich mich sehr, war Vito mit seinen Tätowierungen und seinen überdimensionalen Muskeln doch nicht unbedingt der typische Geigenspieler. Seinen Mut zu dieser Tat bewunderte ich ebenso wie seine Ausdauer und Konsequenz während all der acht Jahre, braucht es doch einiges, mit 41 Jahren zu beschliessen, Geige zu lernen und vor allem auch durchzuhalten.

Zu Weihnachten erstes Lied

Es war die andere Seite, die er mit seinem – so schien es – kleinen Geigelein am Hals auslebte. Nach aussen hin der muskulöse und kräftige Körpermann – nach innen jedoch der zart besaitete Seelenmann. Wie freute er sich, als er bereits an Weihnachten, nach drei Monaten, die ersten Lieder spielen konnte. Sein Geigenspiel machte ihn bald vielerorts bekannt, war es doch sehr untypisch, dass ein durchtrainierter Fitnesstrainer virtuose Geigenmusik spielt.

Schon im zweiten Jahr seiner violinistischen Karriere spielte er schon mit Kollegen zusammen – was ja auch sein Ziel des Übens war. So reiste er zum Duettspielen auch mal nach Berlingen oder war sich nicht zu schade, auch mit kleinen Geigenschülern in einer Vortragsübung in Steckborn mitzuspielen. Es war ein Bild, das sich wohl bei manchen Dabeigewesenen im Herzen einprägte: Die imposante Erscheinung des Vito Famiglietti inmitten von 1.- bis 6.-Klässlern – und alle spielten zusammen mit ihren Geigen.

Dank seiner Ausdauer und seiner Freude ob den auch im Innern anklingenden Gefühlssaiten konnte er bald auch Stücke seiner Lieblingsinterpreten Sarah Brightman oder Andrea Bocelli spielen. «Con te partirò» war sein Lieblingsstück. Trotzdem mussten wir ihn alleine gehen lassen.

Mut, zu sich zu stehen

Vito war einzigartig. Seine Freude nach gelungenem Vortrag wird ebenso in Erinnerung bleiben wie sein stets fröhliches Wesen, seine Hilfsbereitschaft ebenso wie seine Begeisterungsfähigkeit und sein Ideenreichtum. Vito wird mit seinen zwei Seelen in der Brust ein bestes Beispiel bleiben für Mut, zu sich selber zu stehen und damit neue Horizonte zu erkunden.

Regula Raas

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