Der Roboter hat nicht nur Freunde

In der Diskussion um den Stallneubau im landwirtschaftlichen Bildungszentrum Arenenberg ist auch der Melkroboter in die Kritik geraten. An der Frage, ob ein Ausbildungsbetrieb überhaupt einen solchen braucht, scheiden sich die Geister.

Silvan Meile
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HERRENHOF. Im Stall von Walter Roth melkt ein Roboter. Auf dem Computerbildschirm sieht der Bauer sofort, welche seiner 39 Kühe schon lange nicht mehr gemolken wurde. Es könne vorkommen, dass er einzelne Kühe gelegentlich anstupsen muss, damit sie sich in die Melkbox begeben und der Melkroboter seine Arbeit erledigen kann, erklärt der Bauer aus Herrenhof.

Politiker stellen Roboter in Frage

Walter Roth bewirtschaftet seinen Betrieb ohne Festangestellte. Deshalb kommt ihm der Roboter gelegen. Durch das automatisierte Melken gewinnt der Landwirt wertvolle Zeit, um anderen Beschäftigungen wie etwa Lohnarbeiten nachzugehen. Vor gut zwei Jahren entschied er sich, den Melkroboter anzuschaffen.

Doch am Thema Melkroboter scheiden sich die Geister im Milchwirtschaftskanton Thurgau. Das zeigt sich am geplanten Stallneubau im landwirtschaftlichen Ausbildungszentrum Arenenberg. Dort wird die Anschaffung eines Melkroboters in Betracht gezogen. Für Kantonsrat und Bauer Matthias Rutishauser (SVP, Lengwil) ist das 2,8 Millionen Franken teure Stallprojekt im Arenenberg nicht nur zu teuer, er stellt auch den dort zur Diskussion stehenden Melkroboter in Frage. Ein solcher suggeriere den angehenden Landwirten, dass ein Melkroboter weit verbreitet sei in der Praxis. Doch melke effektiv nur ein Bruchteil der Thurgauer Landwirte auf diese Art und Weise. Statt einen teuren Melkroboter anzuschaffen – die Kosten dafür belaufen sich auf rund 200 000 Franken –, sollen die Schüler des Arenenbergs externe Betriebe mit solchen besuchen, findet Rutishauser. In einer Einfachen Anfrage an die Kantonsregierung will er unter anderm wissen, welche Vorteile diese sehe, wenn ein landwirtschaftlicher Schulbetrieb einen Melkroboter einsetzt.

Anzahl Melkroboter nimmt zu

Martin Huber, Direktor des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg, argumentiert im Vergleich zu Rutishauser gegensätzlich. Gerade weil viele der Schüler im Arenenberg in ihrem Lehr- oder Familienbetrieb keinen Melkroboter hätten, sei es wichtig, diese Technik in der Ausbildung näher kennenzu- lernen. «Der Melkroboter könnte eine Zukunftslösung sein – zur Arbeitsentlastung und damit für mehr Lebensqualität in bäuerlichen Familienbetrieben», sagt Huber. Deshalb sei ein solcher auch Teil des Projekts Stallneubau. Mit 60 Kühen (heute 22) will man auch bezüglich Grösse einen Stall bauen, der aus wirtschaftlicher Sicht den aktuellen Anforderungen entspricht und gerade auch für die Auslastung eines Melkroboters ideal ist. Ob tatsächlich ein solcher für den Arenenberg auch angeschafft werde, sei aber noch offen. «Wir stehen erst am Anfang der konkreten Planung», sagt Huber. Der Arenenberg-Chef fügt jedoch hinzu, dass auch der Bau von herkömmlichen Melkständen mindestens 80 000 Franken koste und ausserdem mehr Raum im Stall beanspruche

Ob sich ein Melkroboter für einen Betrieb lohnt, muss für jeden Betrieb separat betrachtet werden. Ihre Zahl steigt aber kontinuierlich an. In Höfen mit rund 60 Tieren würde sich derzeit bei Neu- und Umbauprojekten rund die Hälfte der Landwirte für einen Melkroboter entscheiden, schätzt Werner Aus der Au vom kantonalen Landwirtschaftsamt. Aufgrund der aktuellen Milchpreisentwicklung sei die Zahl entsprechender Projekte jedoch rückläufig.

Roth gibt ihn nicht mehr her

Wenn der Melkroboter in Walter Roths Stall ein Problem erkennt, schickt er eine Meldung aufs Handy des Bauern, ansonsten ist auf die Maschine Tag und Nacht Verlass. Zur Boxenpflege, Kälberbetreuung und zur Kontrolle ist Walter Roth trotzdem morgens und abends im Stall. Um den Roboter auch bedienen zu können, hat er sich Computerkenntnisse angeeignet. Generell brauche es Freude an der Technik, sagt er. Walter Roth hat Verständnis, dass gewisse Bauern den Melkroboter ablehnen. «Nicht jeder Bauer ist auch ein Roboter-Bauer», sagt er. Hergeben würde er ihn aber nicht mehr.

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