Der Rebschädling überstand den Winter

Die eisig-frostige Winternacht vom 29. Dezember war wohl zu wenig, um der schädlichen Kirschessigfliege das Leben schwerzumachen. Mit den wärmer werdenden Tagen wird auch das erneut starke Auftreten des Insekts vermutet.

Thomas Güntert
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Die Kirschessigfliege befällt besonders dünnhäutige Beeren. Das erfordert eine zeitaufwendige, selektionierende Weinlese. (Bild: Thomas Güntert)

Die Kirschessigfliege befällt besonders dünnhäutige Beeren. Das erfordert eine zeitaufwendige, selektionierende Weinlese. (Bild: Thomas Güntert)

SALENSTEIN. Die Kirschessigfliege (KEF) hat im vergangenen Jahr die Winzer am Untersee und Rhein sehr beschäftigt. «Die Population war etwa dreimal höher als in den Vorjahren», sagte Jimmy Mariéthoz vom Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg. «Insbesondere bei den Sorten Regent, Blauburgunder und Pinot gris musste man einen mittleren bis starken Befall der KEF hinnehmen», bemerkte der Steckborner Önologe und Winzer Othmar Lampert.

Insektizide wurden eingesetzt

Erwin Leibacher-Alder aus Hemishofen beklagte beim Cabernet Dorsa gar einen Totalausfall, da sich ein Aussöndern nicht lohnte. Bei der selektiven Ernte der Sorten Dornfelder und Blauburgunder hatte der Hemishofer Winzer den doppelten Zeitaufwand.

Als der Thurgauer Rebbaukommissär Markus Leumann im letzten Jahr Spritzmittel wie Audienz, Parexan oder Gazelle empfahl, endete eine insektizidfreie Zeit in den Rebbergen. Das Bundesamt für Landwirtschaft hat für dieses Jahr bereits die Allgemeinverfügung über die Sonderzulassung von Pflanzenschutzmitteln erlassen. Vorbeugende Insektizidbehandlungen vor dem Farbumschlag und nach der Ernte sind allerdings wirkungslos.

Jimmy Mariéthoz zieht den Einsatz von Fallen und Netzen den chemischen Bekämpfungsmethoden vor. «Zusammen mit gezielten Behandlungen ging unsere biologische Strategie voll auf, ganz ohne Insektizide und ohne schlafende Behörden», bemerkte der Uesslinger Biowinzer Roland Lenz, der keinesfalls Insektizide und Pestizide einsetzen will. Im letzten Jahr hatte er seine Weinberge mit 5000 Fallen umrandet. Auch das Landwirtschaftsamt empfiehlt Fallen, die mit je einem Drittel Rotwein, Apfelessig und Wasser sowie einigen Tropfen Seife gefüllt sind.

Fliege bleibt grosses Problem

Viele Thurgauer Winzer hofften auf einen kalten Winter, damit viele der schädlichen Insekten erfrieren, doch die eisig kalte Winternacht vom 29. Dezember war wohl zu wenig. Das BBZ Arenenberg hat zur Überwachung der Population an neun Standorten im Thurgau Fallen aufgestellt. Es hat sich gezeigt, dass die Population Anfang November stark zusammengebrochen ist. Mittlerweile wurden im Thurgau aber wieder KEF gefangen. Sobald die Temperaturen weiter ansteigen, wird sich wohl die Situation aufgrund der Restpopulation rasch ändern.

Als Vorbeugemassnahme rät Rebbaukommissär Markus Leumann zu einer frühen Ertragsregulierung, niedrigen Begrünung und einer angepassten Entlaubung. Vor allem warnt er vor verfrühten Panikreaktionen. «In welchem Mass die KEF im Jahr 2015 auftreten wird, ist noch völlig offen, da das Auftreten stark witterungsabhängig ist», bemerkt Othmar Lampert, Präsident des Branchenverbandes Thurgauer Weine.