Der Puff-Schlitzer

Es war an einem frühen Morgen vor sieben Monaten, als es in einem Rotlichtlokal in Konstanz zu einem Streit zwischen zwei Männern kam. Der eine arbeitete als Barmann hinter der Theke, der andere war ein 44jähriger Freier, der vermutlich eine Dame des Gewerbes beleidigt hatte.

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Es war an einem frühen Morgen vor sieben Monaten, als es in einem Rotlichtlokal in Konstanz zu einem Streit zwischen zwei Männern kam. Der eine arbeitete als Barmann hinter der Theke, der andere war ein 44jähriger Freier, der vermutlich eine Dame des Gewerbes beleidigt hatte. Andere Gäste griffen ein, trennten die Streithähne und der Jüngere verliess das Lokal. Nachdem der Barmann (47) kurz telefoniert hatte, stürmte er dem Mann plötzlich hinterher.

Draussen auf dem Trottoir rammte der Barmann dem Freier von hinten ein Messer in den Rücken. Als der Verletzte sich umdrehte, schlitzte er ihm sogar mit einer einzigen Handbewegung seitlich den Hals auf und schnitt ihm das halbe Ohr ab. Danach kam es zu einem Gerangel, in dessen Verlauf der in Rage geratene Barmann seinem Opfer das Messer rund acht Zentimeter tief zwischen die Rippen rammte. Dabei wurde der Bauchraum geöffnet und die Lunge verletzt – das Opfer also lebensgefährlich verletzt. Nur durch eine sofortige Notoperation hatte der 44-Jährige gerettet werden können.

Am Mittwoch stand der Barmann wegen dieser Bluttat vor den Schranken des Landesgerichts Konstanz, angeklagt wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Der Täter habe den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen, stellte das Gericht fest. Erschwerend kam hinzu, dass er in der Vergangenheit bereits dreimal in ähnlicher Weise Menschen mit Messern verletzt hat. In einem Fall zeigte sich ein fast identisches Vorgehen, allerdings mit weniger dramatischen Folgen.

«Er weiss mit dem Messer umzugehen», stellte das Gericht fest. Trotzdem behauptete der Angeklagte, er habe immer glücklich und friedlich gelebt, bis es zu der jetzt verhandelten Anklage gekommen sei. Sie sei falsch. Er sei derjenige gewesen, der von dem Mann mit dem Messer angegriffen worden sei. Bei seiner Abwehr müsse es dann zu dessen Verletzungen gekommen sein.

Als Schlitzer bekannt

Das Gericht forderte den Mann, der in der Szene als «der Schlitzer» bekannt ist, auf, seine Darstellung der Geschehnisse zu überdenken. Der Barmann blieb jedoch dabei, obwohl bereits das Spurenbild am Körper und an der Kleidung des Tatopfers absolut gegen seine Schilderung des Tat-hergangs sprach. Gegen seine Notwehrversion sprach laut Gericht auch, dass er selbst keinerlei Verletzungen aufgewiesen habe, während der 44-Jährige durch Narben und ein verstümmeltes Ohr zeitlebens gezeichnet sei. Auch habe er mindestens fünfmal zugestochen.

Urteil: 8 Jahre

Trotz etlicher einschlägiger Vorstrafen und eines Gefängnisaufenthaltes habe der Angeklagte nichts an seinem Lebensstil geändert, bemerkte der vorsitzende Richter, nun müssten spürbare Konsequenzen gezogen werden: «Es ist Zeit, ihm klarzumachen, dass es so nicht weitergeht.»

Eine verminderte Schuldfähigkeit konnte das Gericht dem damals angetrunkenen Mann aufgrund seiner Alkoholgewöhnung nicht zubilligen. Das Gericht verhängte acht Jahre Gefängnis.

Auf Antrag des Nebenklägers verurteilte das Gericht ihn auch zu einem Schmerzensgeld von 25 000 Euro (etwa 32 500 Franken) und zur Übernahme dessen Gerichts- und Anwaltskosten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Eva Maria Vaassen

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