Der Ombudsmann ist eine Frau

KREUZLINGEN. Die Synode der Evangelischen Landeskirche Thurgau wählte gestern Barbara Kopieczek zur Ombudsfrau. Einige Synodale äusserten aber Bedenken, da ihre Kinder nicht getauft sind.

Michèle Vaterlaus
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Der Turm der evangelischen Kirche Tägerwilen. (Bild: Nana do Carmo)

Der Turm der evangelischen Kirche Tägerwilen. (Bild: Nana do Carmo)

Im zweiten Anlauf hat die Evangelische Synode die Hürde genommen: Sie hat an ihrer gestrigen Sitzung die neugeschaffene Ombudsstelle besetzt. Doch auch wenn es der zweite Anlauf war, ging dieser nicht ganz reibungslos über die Bühne – einige Votanten wollten die Wahl erneut verschieben, nachdem dies bereits letztes Jahr geschehen ist. «Es wäre schade, wenn wir jetzt wählen würden. Wir verlängern die Frist für Bewerber lieber nochmals», sagte Markus Aeschlimann (Frauenfeld) und beantragte damit, die Wahl zu verschieben. Peter Kuster (Lustdorf) ermahnte seine Kollegen: «Wenn wir in der Fasnachtszeitung erscheinen wollen, dann nehmen wir diesen Antrag an.» Aeschlimann und andere hatten wie bereits letztes Jahr auch dieses Mal Bedenken wegen der Eignung der zwei Kandidaten angemeldet.

Vorbehalte gegen Kandidaten

Thomas Schmidlin, der sich für das Amt zur Verfügung stellte, hat Probleme mit dem Gehör, weshalb einige Synodale befürchteten, er könne das Amt nicht richtig ausüben. Schliesslich gehe es um Kommunikation bei dieser Stelle, war der Grundtenor. Die Kandidatin Barbara Kopieczek sei zwar fachlich geeignet, doch ihre Kinder sind nicht getauft. «Es ist ein Bekenntnis zur Landeskirche, wenn man die Kinder tauft. Fachlich ist Barbara Kopieczek geeignet, aber das Bekenntnis ist mir wichtig», sagte Roland Bösch (Sirnach). Dem entgegnete Peter Sauder (Warth-Weiningen), dass es darum gehe, einen Vermittler und keinen Richter zu finden. Hanspeter Niederhäuser (Weinfelden) sagte darauf: «Meine Kinder wurden auch nicht getauft.» Ein Kind engagiere sich heute in der Kirche, das andere sei ausgetreten. «Wir müssen lernen, mit Diversität umzugehen.» Christian Hermann (Gachnang) reichte es: Er stellte einen Ordnungsantrag, damit die Diskussion abgebrochen wird. «Diese Themen haben wir bereits an der Wählerversammlung besprochen.» Schliesslich beschlossen die 108 anwesenden Synodale, die Wahl durchzuführen. Barbara Kopieczek wurde mit 92 Stimmen gewählt.

Im Anschluss hätten die beiden Stellvertreter für Barbara Kopieczek gewählt werden sollen. Thomas Schmidlin hätte sich auch für dieses Amt zur Verfügung gestellt. Auf Antrag von Christian Hermann (Gachnang) entschied die Synode jedoch, diese Wahl separat durchzuführen und die Stellen nochmals auszuschreiben. «So können die beiden Stellvertreter zusammen gewählt werden», sagte Hermann.

Gewinn statt Verlust

Vergleichsweise reibungslos wurde die Rechnung genehmigt: Sie schloss statt mit einem Defizit von 93 000 Franken mit einem Gewinn von 142 000 Franken. Der Gewinn wird aufgeteilt: Zu einem Drittel wird er ins Eigenkapital überführt, ein zweiter Drittel wird caritativen Zwecken und der dritte Drittel dem Stipendienfonds zugewiesen. Die Synode genehmigte die Rechnung.