Der neueste Trend: «Urban Forestry»

Bäumig

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Gärtner pflanzen in die dritte Rabatte 16 Gleditschien und verlegen Belüftungsschläuche. (Bild: Stefan Hilzinger)

Gärtner pflanzen in die dritte Rabatte 16 Gleditschien und verlegen Belüftungsschläuche. (Bild: Stefan Hilzinger)

Zwar dräut schon der erste Schnee am meteorologischen Horizont und damit die Vegetationsruhe. Doch bei der Überbauung Trio hinter dem Bahnhof gilt derzeit eher «es grünt so grün». Gleich lastwagenweise landeten Bäume und Sträucher in den vergangenen Wochen an der Murg an. Fleissige Gärtnerinnen und Gärtner sind seither im Auftrag der Bauherrschaft daran, die Tausenden von Pflanzen an die richtige Stelle zu setzen, darunter rund 3500 Buchen, die künftig als stramme Hecken für Privatsphäre sorgen werden. Hinter dem Bahnhof erinnert nichts mehr an den allseits beliebten und viel betrauerten gekiesten Parkplatz. Trotz Asphalt-Vorplatz und Betonbauten erobert sich dank intensiver Bepflanzung auch die Natur ihren Anteil am Geschehen zurück. Die vorwinterliche botanische Betriebsamkeit ist deutlicher Ausdruck eines neuen Trends in der Hauptstadt: «Urban Forestry».

 

Das städtische Gärtnern alias «Urban Gardening» hat sich mit Pflanzplätzen und Hochbeeten am Murgweg und im Burstelpark schon fest etabliert. Nicht mehr wegzudenken ist auch «Urban Golf». Frauenfeld gilt als eine der helvetischen Geburtsstätten des Trendsports für urbane Hipster. Nun hält als Drittes also die städtische Forstwirtschaft Einzug in die Metropole an der Murg. Dies ganz nach dem Motto: «Kommt der Städter nicht in den Wald, kommt der Wald zu den Städtern.» «Urban Forestry», schreibt Wikipedia vage ,«beschäftigt sich mit dem Schutz und der nachhaltigen Entwicklung von Gehölzen und Grünräumen im Siedlungsbereich.» Als schöner Ausdruck einer solchen nachhaltigen Entwicklung dürfen die 43 Gleditschien angesehen werden, die in den drei eierförmigen Rabatten bahnhofseitig gepflanzt wurden. Die Laubbäume sind in der Stadt keineswegs fremd. Sie finden sich etwa an der Rheinstrasse oder im Dreispitz an der Schmidgasse vor dem Eingang zum Murg-Auen-Park. «Die Gleditschie ist ein dankbarer Baum», sagt Markus Marghitola von der Stadtgärtnerei. Sie vertrage den Schnitt gut und sei wenig anfällig für Krankheiten. Auch etwas Streusalz im Winter schade ihr nicht.

 

Streng genommen ist die Gleditschie ein Neophyt, ein pflanzlicher Einwanderer. Die häufig in städtischen Grünanlagen verwendete Art, die Amerikanische Gleditschie Gleditsia triacanthos, stammt aus Nordamerika. Andere Vertreter der Gattung Gleditsia sind ursprünglich im Orient oder in Fernost zu Hause. Als Wildpflanze eingebürgert hat sich die amerikanische Gleditschie mittlerweile in Südeuropa, in Nordeuropa noch nicht. Ihren Namen allerdings verdankt die Gattung einem Deutschen, dem Botaniker und Arzt Johann Gottlieb Gleditsch. Er kam 1714 in Leipzig zur Welt und starb 1786 als angesehenes Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften. Botanisch gehört die Gleditschie zur Familie der Hülsenfrüchtler. Sie ist also eine Verwandte von Erbsen und Bohnen. Womit der Bogen zum «Urban Gardening» geschlagen wäre. (hil)