«Der Nebel in Kreuzlingen ist phantastisch»

Die Ausscheidung zum Eurovision Song Contest lockte am Samstagabend Menschen aus der ganzen Schweiz in die Bodenseearena. Während der Gewinner aus dem Tessin vom Bodensee schwärmte, schwärmte Sven Epiney vom Temperament des Siegers.

Cyrill Rüegger
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Sebalter singt «Hunter of Stars» – und gewinnt damit die Show. (Bild: Copyright: SRF/Oscar Alessio)

Sebalter singt «Hunter of Stars» – und gewinnt damit die Show. (Bild: Copyright: SRF/Oscar Alessio)

KREUZLINGEN. Etwas orientierungslos laufen Tobias, Sophie und Nadja durch die Bodenseearena. «Dütschland drückt Euch d'Düme», steht in Grossbuchstaben auf dem Plakat, das sie mit sich herumschleppen. Die drei Studenten aus Konstanz sind wegen der Schweizer Entscheidungsshow für die Teilnahme am Eurovision Song Contest (ESC) über die Grenze gekommen. «Unser Favorit ist Sebalter», sagt Tobias. «Der hat das beste Lied.» Auch die anderen Fangruppen stimmen sich vor der Show ein. Eine Gruppe junger Cheerleaderinnen zeigt vor dem Haupteingang ihre Kunststücke, andere gönnen sich an der Bar ein Glas Weisswein. «Das beruhigt», meint ein Fan aus der Romandie. Als das Studio geöffnet wird, ist es mit der Ruhe vorbei. Im Eiltempo strömen die Zuschauer zu ihren Plätzen. Rasch kommt es zwischen zwei Fangruppen zum Streit um die Sitzplätze. Ein Verantwortlicher des Schweizer Fernsehens muss schlichten.

Stimmung wie einst beim HCT

«Drehen sie sich nochmals nach links und rechts und überlegen sie sich, ob sie zusammen mit dieser Person im Fernsehen gesehen werden wollen», sagt Moderator Sven Epiney, als er vor der Show die Zuschauer begrüsst. Rasch wird klar, dass die Fans aus der Romandie in der Überzahl sind. Strategisch geschickt haben sie sich in jeder Ecke des Studios verteilt und strecken ihre Plakate in die Kameras. Als ihre Favoritinnen Stéphanie und Natacha die Bühne betreten, verwandeln sie die Bodenseearena in einen Hexenkessel. Erinnerungen an jene Zeiten werden wach, als der HC Thurgau hier noch seine Heimspiele austrug. Vom vielen Klatschen wirken die Zuschauer mit der Zeit etwas müde. Sven Epiney nutzt die Werbepause, um mit dem Publikum Lockerungsübungen zu machen. Dann beginnt er plötzlich zu husten. Sofort eilt die Aufnahmeleiterin mit einer Wasserflasche herbei, während die Maskenbildnerin dem Moderator vor dem Finale eine letzte Ladung Puder ins Gesicht pinselt.

«Incredibile»

Kurze Zeit später steht fest: Sebalter wird die Schweiz am ESC in Kopenhagen vertreten. Er findet kaum Worte. «Incredibile», wiederholt er immer wieder. Mehr Worte findet er für die Stadt Kreuzlingen. «Es ist schön hier», sagt der studierte Wirtschaftsanwalt mit italienischem Akzent. Er sei leider etwas erkältet gewesen und habe die Ausflüge in die Stadt nicht so richtig geniessen können. «Aber der Nebel über dem Bodensee war phantastisch. Ich habe es geliebt», fügt er strahlend an. Als die letzten Journalisten ihre Interviews beendet haben, ist das Studio leer. Nur einige Helfer räumen noch die Stühle zusammen und wischen die letzten Konfettischnipsel von der Bühne. Die Sängerinnen und Sänger lassen den Abend gemeinsam mit der SRF-Crew im Backstage-Bereich ausklingen – bei Sekt und Wienerli.

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