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Der Marsmensch mit Plan B

BALTERSWIL. Steve Schild aus Balterswil macht keine halben Sachen. Er möchte zum Mars fliegen und dort leben. Ehrgeizig bereitet er sich darauf vor. Seine Freundin holt ihn immer wieder zurück auf den Erdboden. Sollte es nicht klappen mit Mars One, dann will Schild studieren.
Ida Sandl
Steve Schild auf dem High-Tech-Ergometer: Hier lässt er die Leistungsfähigkeit seiner Organe testen. (Bild: Reto Martin)

Steve Schild auf dem High-Tech-Ergometer: Hier lässt er die Leistungsfähigkeit seiner Organe testen. (Bild: Reto Martin)

Der Mann, der auf den Mars will, ist nervös. Steve Schild, 28 Jahre alt und aus Balterswil, sitzt auf einem High-Tech-Ergometer. Mund und Nase sind in eine blaue Plastikmaske gezwängt aus der Kabel hängen. Wenn er in die Pedale tritt, hört man seinen Atem. Ein zischendes Geräusch, es erinnert an den Star-Wars-Schurken Darth Vader.

Einen knappen Meter entfernt starrt Jürg Hösli auf die Zahlen, die auf dem riesigen Bildschirm erscheinen und wieder verschwinden. Hösli ist Ernährungswissenschafter und testet die Leistungsfähigkeit von Steve Schilds Organen für die Mars-Mission. Sind die Werte schlecht, dann platzt der grosse Traum. Deshalb ist Steve Schild nervös und deshalb sind die Werte etwas höher als sie normalerweise wären. Alles kein Problem, sagt Hösli. «Steve ist mega zwäg.»

Alle wollen Interviews

199 000 Bewerber hat er bereits ausgestochen. Jetzt ist er in der zweiten Runde mit etwa tausend anderen Kandidaten. Seit das klar ist, steht sein Telefon nicht mehr still. Alle wollen Interviews. Schild macht es den Journalisten leicht: freundlich, zuvorkommend, auskunftsfreudig. Er steckt es weg, wenn sie ihn den Möchtegern-Marsmenschen nennen. «Ich bin nicht nur ein Schwätzer», sagt er. Er hat zwei Ausbildungen abgeschlossen: Elektromonteur und Netz-Elektroniker.

Er gehört zu einem Team, das den Weltrekord im Wasserrutschen hält. «Das Härteste, was ich je gemacht habe.» Auch damals hatten sich zweitausend Menschen beim Privatsender Pro 7 für die Aktion beworben. Zehn blieben übrig, Schild war einer davon.

Voller Einsatz, immer

Er sei nicht besser als andere, sagt Schild. «Ich gehe aber anders an die Sachen heran.» Immer voller Einsatz. Auch jetzt bei Mars One. Fünf- bis sechsmal in der Woche geht er joggen oder ins Fitnessstudio. Er trinkt kaum Alkohol, isst weder Schweinefleisch noch Wurst und wenig Süsses.

Dabei ist es nur einige Jahre her, da wog er 20 Kilo mehr. Er ass was ihm schmeckte und bewegte sich mässig. Dann liess sich seine Frau scheiden und ihm ging es so richtig schlecht. Er verkaufte sein Geschäft und zog in eine Wohngemeinschaft. Damals lernte er, dass es falsch ist, wenn man aus Liebe seine Träume aufgibt. Die Ex-Frau habe ein ganz normales Leben führen wollen, sagt Schild. Er habe es versucht, ihr zuliebe. Es hat nicht geklappt. Der Sport half ihm aus dem Tief. Damals bewarb er sich für den Wasserrutschen-Rekord. Was Schild jetzt vorhat, stellt aber alles in den Schatten: Er will auf den Mars. Auch wenn es ihm das Leben kosten sollte. Schild zuckt mit den Schultern. «Auch auf der Erde kann ich morgen sterben.»

Freundin Corinna Küttel sieht die Sache pragmatisch. Sie holt Steve Schild auf den Erdboden zurück. Die Mars-Besiedelung soll erst in neun Jahren starten. «Bis dahin kann noch viel passieren», sagt sie. Die 22-Jährige unterstützt ihren Freund bei seinen Plänen. Er soll später nicht sagen: «Ich hätte auf den Mars fliegen können, aber Du warst dagegen.»

Ein Journalist hat Schild geraten, er solle den Medien-Hype um seine Person geniessen. Es könne so plötzlich wieder vorbei sein, wie es gekommen sei. An diesen Rat hält er sich. Und wenn es nicht klappt mit Mars One? Dann wird er vielleicht Kommunikation und Marketing studieren und neue Träume leben.

Steve Schild künftiger Mars-Astronaut und Kundenbetreuer. (Bild: Reto Martin)

Steve Schild künftiger Mars-Astronaut und Kundenbetreuer. (Bild: Reto Martin)

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