Der Magenbrotkönig teilt aus

80 Prozent der Magenbrotverkäufer an Märkten und Messen produzieren ihr Magenbrot nicht selber, obwohl sie es so deklarieren. Das behauptet Magenbrotproduzent Marcel Rohner. Der Kantonschemiker sieht den Fall anders.

Ives Bruggmann
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Marcel Rohner stellt mit seiner Firma jährlich mehrere Tonnen Magenbrot her. (Bild: Urs Bucher)

Marcel Rohner stellt mit seiner Firma jährlich mehrere Tonnen Magenbrot her. (Bild: Urs Bucher)

REBSTEIN. Marcel Rohner ist sauer. Der Schweizer Marktführer für Premium-Magenbrot prangert einen Etikettenschwindel in seiner Branche an. Gleichzeitig kritisiert er das kantonale Amt für Verbraucherschutz dafür, dass sie diesen Schwindel zulasse. «Ich streite nun schon seit 15 Jahren mit dem Amt. Passiert ist nie etwas», sagt Rohner.

Von derselben Grossbäckerei

Für Rohner ist klar: An den Herbstmärkten werden die Kunden hinters Licht geführt. «Was da abgeht, ist Lug und Betrug. 80 Prozent der Magenbrotverkäufer beziehen das Magenbrot aus derselben Grossbäckerei.» Dagegen habe er auch nichts einzuwenden, aber wenn das Magenbrot schon nicht selber hergestellt werde, dann solle das von den Marktfahrern auch so deklariert werden. «Ich erwarte vom Kanton, dass endlich reagiert wird. Die Kunden haben ein Recht darauf, zu erfahren, woher das Magenbrot kommt und von wem es hergestellt wird», sagt Rohner. «Im Detailhandel ist das normal. Warum wird das bei den Marktfahrern nicht durchgesetzt?»

Auch die Marktfahrer unterständen dem Lebensmittelgesetz. Dort steht unter Absatz vier «Täuschung bei Lebensmitteln»: «Die angepriesene Beschaffenheit sowie alle andern Angaben über das Lebensmittel müssen den Tatsachen entsprechen. Täuschend sind namentlich Angaben und Aufmachungen, die geeignet sind, beim Konsumenten falsche Vorstellungen über das Lebensmittel zu wecken.» Genau das passiert aber laut Magenbrotkönig Rohner.

Die Herkunft deklarieren

«Es ist an der Zeit, dass ich mich öffentlich dazu äussere. Die Kunden sollen nicht getäuscht werden. Dafür setze ich mich ein. Ich will, dass auch bei den Marktfahrern genau hingeschaut wird. Es muss laut Lebensmittelgesetz auf der Verpackung deklariert werden, woher das Magenbrot kommt und wer es hergestellt hat.» Und genau dafür habe das Amt für Verbraucherschutz zu sorgen. Weshalb bisher nichts geschehen ist, kann sich Rohner nicht erklären. «Es wäre theoretisch eine kleine Sache von Seiten des Amtes, zu verlangen, dass die Marktfahrer die Herkunft des Magenbrotes deklarieren müssen», sagt er. Er wisse, dass seine Forderung bei den anderen Marktfahrern nur begrenzt auf Begeisterung stossen werde, sagt Rohner. Ihm gehe es nicht darum, andere anzuschwärzen. Er wolle nur, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Er sagt: «Ich habe es nicht nötig, andere zu schwächen. Unser Geschäft läuft hervorragend. Es geht mir in erster Linie darum, dass die Konsumenten nicht getäuscht werden.»

Er glaube, dass das Geld der Grund sei, weshalb dieser Etikettenschwindel betrieben werde. Es gehe um viel, und einige Marktfahrer fürchteten um ihren Ruf, wenn sie deklarieren müssten, dass sie ihr Magenbrot nicht selber herstellten.

Das Amt wehrt sich

Kantonschemiker Pius Kölbener vom Amt für Verbraucherschutz sagt: «Lebensmittelrechtlich liegt keine Täuschung vor, wenn ein Süsswarenhändler Magenbrot verkauft, das er nicht selber hergestellt hat.» Wenn der Verkäufer jedoch das Magenbrot fälschlicherweise als Eigenproduktion bezeichne, dann liege eine Täuschung des Konsumenten vor, sagt Kölbener. «Dagegen gehen wir vor.»

Bei den von Marcel Rohner angeprangerten Situationen handle es sich aber nicht um lebensmittelrechtliche Verfehlungen. Folglich liege auch keine Unterlassung seines Amtes vor. «Aufgrund der Reklamationen von Herrn Rohner haben wir viele Magenbrotstände über einen längeren Zeitraum kontrolliert, ohne dass wir grössere lebensmittelrechtliche Verstösse feststellten. Dies haben wir Herrn Rohner auch mitgeteilt.»

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