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Der Macher von Bischofszell

BISCHOFSZELL. Josef Mattle setzt sich als Stadtammann von Bischofszell für das Gemeinwohl ein. Dennoch ist er seit Jahren umstritten. Seine Einsatzfreude fasziniert die einen, andere können sich für seine Ideen nicht begeistern. Wer ist der Mann im Rathaus? Ein Porträt.
Inge Staub
Josef Mattle beobachtet skeptisch den Wahlausgang. (Bild: Benjamin Manser)

Josef Mattle beobachtet skeptisch den Wahlausgang. (Bild: Benjamin Manser)

Die Zeichen stehen auf Sturm. Mit der Anzeige, die Finanzverwalter Julius Schulthess gegen Josef Mattle wegen des Verdachts der Veruntreuung erstattet hat, ist der Bischofszeller Stadtammann einmal mehr zwischen die Fronten geraten. Doch Josef Mattle lässt sich nicht von seinem Kurs abbringen. Im Rathaus geht er seinem Tagesgeschäft nach. Dennoch ist zu spüren, dass die Ereignisse der letzten Tage am Stadtammann nicht spurlos vorbeigehen. «Wenn ich Missgunst und Neid erlebe, dann gibt mir das immer einen Stich ins Herz.» Es schmerzt ihn, dass seine Arbeit nicht von allen Bischofszellern geschätzt wird. «Ich meine es ja gut mit der Stadt», sagt er.

Der 63-Jährige ist seit 2000 Stadtammann von Bischofszell. Mattle, der in der Rosenstadt aufgewachsen ist, wurde nach Tätigkeiten als Lehrer und Heimleiter 1995 Gemeindeammann von Kemmental. «Es hat mir dort sehr gut gefallen», sagt er. Er sei nur deshalb in seine Heimatstadt zurückgekehrt, weil Bischofszeller Politiker ihn gebeten hätten, für das Amt des Stadtammanns zu kandidieren. Seitdem hat er sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität im Städtchen zu steigern.

Er und sein Wirken sind jedoch seit Jahren umstritten. Kritiker werfen ihm vor, er sei nicht teamfähig und könne nicht mit dem Personal umgehen. Nachdem der Stadtschreiber gekündigt hatte, gingen auch Mattle und seine Partei, die CVP, 2010 getrennte Wege. Diese unterstützte wie alle anderen Parteien auch im Wahljahr den Gegenkandidaten Ralph Limoncelli. Wider Erwarten wurde Josef Mattle vom Volk erneut als Stadtammann bestätigt.

Auch nachts im Rathaus

Mattle, der sich als Macher versteht, verlangt viel von sich selbst. So kommt es immer wieder vor, dass er des Nachts im Rathaus tätig ist. «Ich brauche ausserordentlich wenig Schlaf. Tagsüber bin ich viel unterwegs. Deshalb erledige ich Schriftliches am Abend.» Er delegiere auch Aufgaben und erwarte, dass diese zu hundert Prozent erledigt würden. Kritik an seinem Führungsstil weist er zurück. Er gehe auf seine Leute zu, auch gäbe es Personalbesprechungen und Qualifikationsgespräche.

Im Rathaus selbst ist von Unstimmigkeiten nichts zu spüren. Im Gegenteil. Wer das historische Gebäude mit seinen modernen Elementen betritt, fühlt sich willkommen. – Dies ist auch eines der Hauptanliegen des Stadtammanns. Er möchte Menschen in die Stadt bringen. Deshalb holt er Sportanlässe wie die Tour de Suisse nach Bischofszell.

«Wir müssen immer am Ball bleiben und neue Ideen lancieren», lautet sein Credo. Doch musste Josef Mattle, der offen für Neues und selbst in Facebook anzutreffen ist, in den vergangenen Jahren immer wieder feststellen, dass seine Begeisterung und seine Einsatzfreude nicht immer auf andere überspringen. «Das ist ja toll. Aber doch nicht so», sagen viele zu ihm. Er ist sich bewusst, dass er mit seinem Vorpreschen so manchen Mitbürger vor den Kopf gestossen hat. Sein Ideenreichtum ist darin begründet, dass er sehr vielseitig ist. Josef Mattle kann Chöre dirigieren, Theater inszenieren, Snowboard fahren und segeln.

Steuerfuss gesenkt

Sein Esprit fasziniert viele. Doch letztlich zählt seine politische Bilanz. «Wir haben den öffentlichen Verkehr verbessert, die Schulden abgebaut und den Steuerfuss gesenkt», sagt Mattle.

Die Fakten sprechen allerdings eine andere Sprache: Der Steuerfuss wurde zwar von 75 Prozent auf heute 70 Prozent reduziert, dennoch liegt Bischofszell damit deutlich über dem kantonalen Durchschnitt. Bei der Steuerkraft bewegt sich die Rosenstadt im Mittelfeld der Thurgauer Gemeinden. Seit 1990 ist die Wohnbevölkerung um gerade mal 0,8 Prozent gewachsen.

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