Der logische Schritt zur Chefin

Als erste Frau im Thurgau wird die 37jährige Nadine Egloff ab 1. November ein Grundbuchamt und Notariat leiten. Im Kreis Felben-Wellhausen steigt sie zur Leiterin auf. Das fachliche Interesse hat sie so weit gebracht.

Mathias Frei
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Nadine Egloff: Sie ist erst 37 Jahre alt, aber leitet schon bald ein Grundbuchamt und Notariat. (Bild: Reto Martin)

Nadine Egloff: Sie ist erst 37 Jahre alt, aber leitet schon bald ein Grundbuchamt und Notariat. (Bild: Reto Martin)

FELBEN-WELLHAUSEN. Ob sie ehrgeizig sei? «Bis zu einem gewissen Grad schon», sagt Nadine Egloff, gerade erst 37 Jahre alt und ab 1. November neue Grundbuchverwalterin und Notarin des Kreises Felben-Wellhausen – als erste Frau im Kanton Thurgau.

Die kantonalen Patente für die Grundbuchverwaltung und das Notariat mache man nicht im Vorbeigehen, sagt sie, die aktuell noch Stellvertreterin ist auf dem Amt im Felbemer Lerchensang. Aber das fachliche Interesse sei bei ihr mit Sicherheit der stärkere Antrieb als der Ehrgeiz. Egloff hat es weniger als Frau so weit gebracht denn als Person, die ihre Arbeit liebt und sie deshalb gut machen will, auch zugunsten ihrer Kunden.

Seit 15 Jahren auf dem Amt

Ihr ganzes Berufsleben verbrachte Egloff schon auf Grundbuchämtern und Notariaten. Ihre kaufmännische Lehre machte sie bei einem solchen Amt in Märstetten. Seit 1998 arbeitet sie nun auf dem Amt des Kreises Felben-Wellhausen – ganz am Anfang noch im alten Grundbuchamt in einem Riegelhaus weiter vorne an der Hauptstrasse.

«Ich könnte diese Arbeit ein Leben lang machen», sagt sie. «Es ist wichtig, dass man immer gerne arbeiten geht.» Denn dieser Beruf sei auf seine Art so abwechslungsreich, dass sie noch nie das Bedürfnis gehabt habe, etwas anderes zu tun. Dazu zählen für sie auch die Kundenkontakte. Es seien meist positive Begegnungen, etwa wenn jemand ein Einfamilienhaus kaufe oder eine Firma gründe. Das mag sie – ebenso wie das Unspektakuläre dieses Berufs. «Man sitzt in einem Büro und arbeitet an einem Computer.»

Dann kommt die 37-Jährige auf den Begriff «Lebensplanung». Für Egloff passte der Plan, mit 25 Jahren das kantonale Grundbuchverwalterpatent zu machen, drei Jahre später zudem das kantonale Patent, um ein Notariat leiten zu können. Ulrich Schmid habe sie immer gefördert, für ihn habe Weiterbildung stets hohe Priorität. Schmid ist derzeit Leiter in Felben-Wellhausen. Am 1. November übernimmt er das Grundbuchamt und Notariat in Diessenhofen. Dessen Leiter wechselt in den Oberthurgau. Egloff und Schmid werden in Zukunft gegenseitig Stellvertretung machen.

Richtige Zeit, richtiger Ort

«Irgendwann beginnt man, sich Gedanken zu machen über den nächsten Schritt», sagt Egloff. Den logischen Schritt zur Amtsleiterin. Aber dafür müsse natürlich auch ein Amt frei sein. Egloff ist für diese Rochade schon seit 15 Jahren am richtigen Ort.

Sie ist bislang noch die einzige Frau im Thurgau, welche beide Patente besitzt und dementsprechend ein gemeinsames Amt leiten kann. Das steht für sie aber im Hintergrund. In Zukunft wolle sie mit ihrem guten Team einfach nur gute Arbeit machen. Zwei Sachbearbeiterinnen arbeiten heute schon im Amt, dazu eine Lernende. Voraussichtlich wird das Team noch verstärkt werden.

Alltag bleibt sich gleich

«Im Alltag wird sich ab 1. November nicht viel verändern», sagt Egloff. Denn sie habe schon bisher die alleinige Verantwortung über «ihre» Geschäfte gehabt. Spätestens Ende Jahr, wenn die Mitarbeitergespräche anstehen, wird sich Egloff dann wie eine Amtsleiterin vorkommen.