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Der letzte Thurgauer in Bern

Am 12. März 1934 verabschiedete sich der Kanton Thurgau aus dem Bundesrat – bis heute. Damals hatte der FDP-Politiker Heinrich Häberlin, der letzte von bisher drei Thurgauer Bundesräten, genug vom Regieren.
schnitt - Portrait von Bundesrat Heinrich Haeberlin (1868-1947), undatierte Aufnahme. Haeberlin war von 1920 bis 1934 im Bundesrat. Spaeter war er von 1939 bis 1944 Praesident der Pro Helvetia. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str) === COPYRIGHTPFLICHTIG BW ONLY === (Bild: STR (PHOTOPRESS-ARCHIV))

schnitt - Portrait von Bundesrat Heinrich Haeberlin (1868-1947), undatierte Aufnahme. Haeberlin war von 1920 bis 1934 im Bundesrat. Spaeter war er von 1939 bis 1944 Praesident der Pro Helvetia. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str) === COPYRIGHTPFLICHTIG BW ONLY === (Bild: STR (PHOTOPRESS-ARCHIV))

Der letzte Thurgauer in Bern

Am 12. März 1934 verabschiedete sich der Kanton Thurgau aus dem Bundesrat – bis heute. Damals hatte der FDP-Politiker Heinrich Häberlin, der letzte von bisher drei Thurgauer Bundesräten, genug vom Regieren. Zum zweitenmal hatte er mit einer Staatsschutzvorlage eine Schlappe an der Urne eingesteckt. Das war für den 1868 in Weinfelden geborenen Justiz- und Polizeiminister einmal zu viel. Einem Freund schrieb er später: «Jeden Tag bin ich froh darüber, dass ich die weitere Verantwortung für die Regierung abgelehnt habe.» Das Volk folge nur noch demagogischen Schlagwörtern, klagte Häberlin.

Ein erklärter Katzennarr

Seither herrscht im Thurgau bundesratslose Zeit. Ob sie morgen, nach beinahe 80 Jahren, mit Hansjörg Walter nun endlich zu Ende geht?

Zumindest was die Tiervorlieben des letzten Thurgauer Bundesrats Häberlin und des Noch-nicht-Bundesrats Walter betrifft, könnten die Vorzeichen besser sein. Hansjörg Walter posiert nämlich gern mit Hund. Landesvater Häberlin hingegen war ein «Katzennarr», wie er 1944 im Radio bekannte. Sein Liebling in der Tierwelt, sagte der Ex-Bundesrat damals, sei selbstverständlich die Katze: «Die Krone der Tierwelt – wie die Frau die Krone der Menschheit ist.»

Doch gibt es auch Parallelen zwischen den beiden Politikern, welche Thurgauer Bundesratshoffnungen beflügeln könnten. Häberlin war ebenfalls Nationalratspräsident, zwar nicht bei seiner Wahl 1920, sondern zwei Jahre vorher. Und wie Walter heute ist auch Heinrich Häberlin damals von seinen Parteifreunden zur Kandidatur gedrängt worden. Er wurde dann als Thurgauer neben zwei St. Gallern, die ebenfalls Bundesratsambitionen hatten, zum lachenden Dritten. Vorher hatte der als Anwalt tätige Häberlin eine politische Bilderbuchkarriere hingelegt. Er war Mitglied des Grossen Rates, den er sogar zweimal präsidierte, er war Präsident der Thurgauer FDP, dann ab 1904 bis zur Wahl in den Bundesrat Nationalrat. Bei Häberlins Kür gab es kritische Stimmen – auch im eigenen Kanton. «Möge er als Bundesrat den scharfen Parteimann, als den wir ihn kennen, abstreifen und sich einzig des Landes Wohl als Leitstern wählen», mahnte das dem sozialpolitischen Flügel der FDP nahestehende «Thurgauer Tagblatt».

Heinrich Häberlin mochte. «Er, der als ausgesprochener Parteimann betrachtet wurde, hat sich wie kein zweiter über die Parteien zu stellen gewusst», attestierten ihm 14 Jahre später zum Abschied etwa die «Basler Nachrichten». Sie sahen in Häberlin einen «Ritter, vielleicht nicht ganz ohne Furcht, wohl aber ohne Tadel».

Juristisches Gewissen im Bundesrat

Dazwischen lag eine Karriere als «juristisches Gewissen» des Bundesrats. Zwar ist Heinrich Häberlin vor allem wegen der beiden abgelehnten Staatsschutzvorlagen (1922 und 1934) heute noch ein Begriff. Doch sein Hauptanliegen war die Vereinheitlichung des Strafrechts. Obwohl er diese Aufgabe lediglich von seinem Vorgänger geerbt hatte, trieb Häberlin sie mit grossem Elan und Sachwissen erfolgreich voran. Seinem Nachfolger blieb es dann vergönnt, die Lorbeeren einzuheimsen – mit Vorträgen und Zeitungsartikeln unterstützt vom Pensionär Häberlin. Zu den düsteren Kapiteln der Ära Häberlin gehört seine Rolle bei der Verfolgung der Fahrenden in der Schweiz. So setzte er sich in der Regierung und später als Präsident von Pro Juventute dafür ein, dass Hunderte von Kindern von ihren jenischen Eltern getrennt wurden.

Seinen Lebensabend verbrachte Heinrich Häberlin in Frauenfeld, wo er 1947 starb. Er hinterliess rund 12 000 Seiten mit Tagebuchaufzeichnungen. Unter anderem heisst es dort bescheiden, er sei «kein grosser Bundesrat» gewesen. Damit wäre für Hansjörg Walter definitiv noch eine Rolle frei. (ck)

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