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Der letzte Marsch führt an Kisten vorbei

Militärische Entlassung
Silvan Meile
Im Sekundarschulzentrum Weitsicht in Märstetten gaben gestern mehr als 500 Männer ihre Militärausrüstung ab. (Bild: Donato Caspari)

Im Sekundarschulzentrum Weitsicht in Märstetten gaben gestern mehr als 500 Männer ihre Militärausrüstung ab. (Bild: Donato Caspari)

«So huere Schöggeler», ächzt der junge Mann unter seiner schweren Militärausrüstung, das Gewehr unter den Arm geklemmt. Beim Betreten des Sekundarschulzentrums in Märstetten fällt sein Blick auf jene Kollegen, die bereits am Buffet stehen und in einen Nussgipfel beissen. Doch für ihn mit der Vollpackung führt der Weg in die andere Richtung, hinein in die Turnhalle, vorbei am Schild «Bitte halten Sie Ihr Dienstbüchlein bereit». Vor dem Biss in den Nussgipfel gilt es für die Thurgauer, sich durch die letzte militärische Pflicht zu beissen: die Rückgabe der Kriegsausrüstung.

«540 Angehörige der Armee aus dem ganzen Kanton haben ein Aufgebot erhalten», sagt der Chef auf Platz, der uniformierte Thurgauer Kreiskommandant Gregor Kramer. Später wird er sein Barett aufsetzen und die ­Abtretenden ein letztes Mal in die Achtungsstellung befehlen. «Das ist ein Amtstermin mit militärischem Aufgebot. Wer unentschuldigt nicht Folge leistet, wird strafrechtlich belangt.» Das könne schliesslich dazu führen, dass die Militärpolizei zu Hause auffährt und wissen will, wo die Ausrüstung ist.

In militärischer Gründlichkeit hat Kreiskommandant Kramer mit seiner Mannschaft und der Logistikbasis der Armee die Märstetter Turnhalle einmal mehr zur ­Rückgabestation umfunktioniert. Nach Wohngemeinden gestaffelt, trudeln die Männer ein, alle ­zwischen 30 und 36 Jahre alt. Des Thurgauers letzter militärische Marsch führt durch einen kurvenreichen Parcours aus Tischen und Kisten. An jedem Posten sind andere Utensilien gefragt, die sofort in den bereitgestellten Boxen dahinter landen. Wer Gegenstände wie seinen Stahlhelm, die Gasmaske oder den Tarnanzug nicht mehr hat, wird direkt zur Kasse gebeten. Bei den Hemden, Schuhen und Handschuhen herrscht Lockerheit. Auf sie erhebt das ­Vaterland keinen Anspruch mehr. «Ich behalte gar nichts», sagt einer der Abtretenden. «Das Thema ist erledigt.» Ein anderer nimmt alles wieder mit. «Auch gut, dank Typen wie dir habe ich weniger zu tun», scherzt der Soldat am entsprechenden Posten. Er leistet hier seinen WK.

«Wer die Waffe nicht behalten will, kann weitergehen», sagt der Postenchef, bei dem sich eine Schlange mit rund 20 wartenden Männern gebildet hat. Ein Gemurmel kommt auf, das in Gelächter mündet. Daraufhin ziehen einige weiter, geben ihr Sturmgewehr für immer ab. «In den vergangenen Jahren haben noch acht bis zehn Prozent der Abtretenden die Waffe behalten», sagt Kramer. Gestern waren es 14 Prozent. Denn 71 der tatsächlich erschienenen 500 Soldaten behielten das Sturmgewehr beziehungsweise die Pistole. Sie erlangten im Vorfeld einen Waffenschein.

Auch die 31-jährige Leichtathletin Linda Züblin, die sich einst durch die Spitzensport-RS kämpfte, hätte ihre Ausrüstung gestern abgeben sollen, meldete sich aber ab. Unter den 500 Abtretenden in Märstetten sind nur drei Frauen.

Es ist dann aber der Händedruck einer Frau, der die vielen Männer in die endgültige Freiheit des ­Zivillebens entlässt. Militärdirektorin Cornelia Komposch verabschiedet jeden einzelnen persönlich und gibt ihm ein Sackmesser, Militärbiscuits und Schokolade mit auf den Weg. «Sie haben nun zwar Ihre Ausrüstung abgeben. Der Staat ist aber weiterhin auf Leute angewiesen, die mitdenken und mitwirken», sagte die Regierungsrätin zu den militärischen Neurentnern.

Silvan Meile

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