Der lange Weg zum Label

Streusiedlungen, natürliche Gewässer und Stickerei- und Webereigeschichte: Im Naturpark Neckertal sollen Angebote zu diesen Schwerpunkten entstehen. «Marktreif» wird das Label 2016 – darüber abgestimmt wird im Herbst 2014.

Christoph Zweili
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Blick von Hemberg auf St. Peterzell: Eine der Stärken des Naturparks Neckertal sind die intakte voralpine Landschaft und die fürs Toggenburg typischen Streusiedlungen. (Bild: Luca Linder)

Blick von Hemberg auf St. Peterzell: Eine der Stärken des Naturparks Neckertal sind die intakte voralpine Landschaft und die fürs Toggenburg typischen Streusiedlungen. (Bild: Luca Linder)

«Im Jahr 2050 sind das kleine Dorf St. Peterzell und das Neckertal schon fast eine Stadt. Es gibt weniger Landschaft und Land. Auch die Bauern werden weniger.» – Vreni Wild, Gemeindepräsidentin von Neckertal, und der Verein Naturpark Neckertal treten dafür ein, dass diese Zukunftsvision einer Sekundarschülerin in der laufenden Ausstellung zum Neckertal «Heimat, Dorfgeschichten und Bauernweisheiten» in der Propstei St. Peterzell nicht eintrifft.

Im Gegenteil: Das Naturpark-Projekt soll der schleichenden Entvölkerung entgegenwirken. Mit dem Label sollen die Stärken der Region, wie die gepflegte Kulturlandschaft, einzigartige Streusiedlungen und eine intakte Natur, betont und Schritt für Schritt durch neu geschaffene Angebote sichtbar gemacht werden.

500 000 Franken pro Jahr

«Wir stecken noch in den Kinderschuhen», sagt Vreni Wild, «fühlen uns aber auf dem richtigen Weg.» Nach den ersten vier Jahren Arbeit ist nun eine erste Hürde genommen. Das Bundesamt für Umwelt hat letzte Woche grünes Licht für den Naturpark gegeben und Bundesmittel für die dreijährige Errichtungsphase zugesichert (Ausgabe vom 23. August).

Gemäss Naturpark-Geschäftsführer Adrian Steiner stehen damit in den Jahren 2013 bis 2015 pro Jahr rund 500 000 Franken zur Verfügung – 250 000 Franken vom Bund, 150 000 vom Kanton St. Gallen, 10 000 vom «Juniorpartner» Appenzell Ausserrhoden – am Perimeter nur mit der Gemeinde Schönengrund und einem Teil von Urnäsch beteiligt, 30 000 von der Stiftung Berghilfe und 50 000 Franken von den Perimeter-Gemeinden Hemberg, Neckertal und Oberhelfenschwil sowie Eigenleistungen.

Als Grundlage für die Abstimmung im Einzugsgebiet im November 2014 wird nun eine Charta erarbeitet. Grundlagen dafür sind ein Managementplan für die nächsten zehn Jahre, ein Parkvertrag, der die Zusammenarbeit regelt und eine Finanz- und Projektplanung. Bei einem positiven Volksentscheid soll im Januar 2015 das Labelgesuch mit der Charta beim Bund eingereicht werden. 2016 soll der Naturpark dann definitiv in Betrieb gehen.

Erste Arbeitseinsätze

Erste Naturpark-Angebote gibt es bereits. Schulklassen helfen im laufenden Jahr, die Biodiversität aufzuwerten – «das sind Leistungen im Umfang von 250 Manntagen», sagt Adrian Steiner. «Im nächsten Jahr sollen es bereits 350 Manntage sein.»

Der St. Galler Regierungsrat Beni Würth stellt in Aussicht, dass das Neckertal als Pilotregion bei der Umsetzung der neuen Agrarpolitik 2014 bis 2017 vorgesehen ist. Damit würden engagierte Landwirte im Perimeter von Landschaftsqualitätsbeiträgen profitieren – ein neues Instrument.

«Ein Förderprogramm»

Für Beni Würth ist ein regionaler Naturpark «ein nachhaltig ausgerichtetes Regionalförderungsprogramm für ländliche Gebiete».

Auch Christian Meienberger, Geschäftsführer von Pro Natura St. Gallen-Appenzell, sieht die Chance von Naturparks «vor allem in der Regionalentwicklung». Ein Naturpark könne ein Anfang sein, «dass die Region ihre Einstellung zur Natur weiterentwickelt und vielleicht so gute Projekte angestossen werden».