Der längere Weg mit dem Abfallsack

GÜTTINGEN. Unterflurcontainer als neues Abfall-Sammelsystem verlängern den Weg der Thurgauer mit dem Kehrichtsack in der Hand. Das sei für ältere Menschen nicht zumutbar, findet eine Güttingerin. Doch mit einer Sonderregelung für ihr Quartier kann sie kaum rechnen.

Silvan Meile
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GÜTTINGEN. Wenn Angelina Horber an die älteren Menschen in ihrem Quartier denkt, ist sie aufgebracht. «Das kann doch nicht sein», sagt sie und spricht von den Unterflurcontainern, die an ihrem Wohnort Güttingen eingeführt worden sind. Bis zu 250 Meter müssen nun auch die Senioren in ihrer Nachbarschaft zurücklegen, um ihren Abfall entsorgen zu können. Die Spitex-Pflegefachfrau kennt mehrere ältere Menschen, für die der längere Weg zu beschwerlich ist. Sie wünscht sich deshalb die alten Sammelpunkte zurück, die mit wenigen Schritten erreichbar waren.

Geld sammeln im Quartier

Das neues Abfallsystem hat aber auch seinen Vorteil. Statt den Kehrichtsack nur an einem Termin pro Woche an die Strasse stellen zu dürfen, können nun die Quartierbewohner ihren Abfall jederzeit im Unterflurcontainer verschwinden lassen.

Doch der Weg hat sich eben verlängert: Maximal 250 Meter beträgt die Distanz, bei den bisherigen Sammelpunkten waren es gemäss KVA-Reglement maximal 150 Meter. Per E-Mail fragte Angelina Horber die KVA Thurgau an, ob diese für die ältere Bevölkerung in ihrem Quartier den aufgehobenen Sammelpunkt wieder anfahren könne. Doch die Antwort fällt negativ aus. Eine Sonderregelung für ihr Quartier hat kaum Chancen, auch wenn die Gemeinde die Kompetenz dafür besitzt. Trotzdem hätte die Pflegefachfrau gerne gewusst, wie viel es kosten würde, wenn ein Kehrichtauto den alten Sammelpunkt wieder anfährt. Vielleicht könne sie das nötige Geld zusammen mit weiteren Quartierbewohnern aufbringen, sagt sie.

Für die Spitex kein Problem

Auf der Güttinger Gemeindeverwaltung war gestern niemand erreichbar. Dass man sich dort auf eine Sonderregelung einlassen wird, ist sehr unwahrscheinlich. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es für das Einsammeln des Kehrichts aus Unterflurcontainern andere Fahrzeuge benötigt als jene, welche die herkömmlichen Sammelpunkte abfahren.

Bei der Pro Senectute ist das Problem mit den längeren Wegen zur Abfallentsorgung nicht unbekannt. Wer in seiner Mobilität so eingeschränkt ist, dass er den Abfallsack nicht mehr selber zum Container bringen kann, habe aber noch weitere Probleme, weiss Raimund Disch von der Beratungsstelle in Kreuzlingen. Dank Hilfe aus Familie und Nachbarschaft liessen sich viele lösen.

Auch Mitarbeiterinnen der Spitex übernehmen teilweise die Abfallentsorgung für betreute Personen. Dass sich der Weg zur Sammelstelle verlängert, ist für Gabriela Brauchli, Geschäftsführerin der Spitex Region Frauenfeld «kein wahnsinniges Problem». Der Vorteil, dass dank den Unterflurcontainer der Abfall beinahe jederzeit entsorgt werden könne, überwiege.