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Der Kurier fürs Essen

Der Mahlzeitendienst versorgt alte und beeinträchtigte Menschen mit einem Menu pro Tag. Auf Tour mit Präsident Roland Alber.
Nicole D'orazio (text), Andrea Stalder (fotos)
Fahrer Roland Alber schiebt das Wägeli mit den Mahlzeitenboxen aus dem Alterszentrum. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Fahrer Roland Alber schiebt das Wägeli mit den Mahlzeitenboxen aus dem Alterszentrum. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

8.30 Uhr im Alterszentrum Kreuzlingen: Roland Alber holt seine Lieferung ab. Er ist Präsident des Mahlzeitendienstes Kreuzlingen und übernimmt heute eine Tour. Neun ältere und körperlich beeinträchtigte Personen warten an diesem Morgen auf ihn und das Drei-Gänge-Menu. «Das Essen wird am Tag vorher gekocht und schock gekühlt», sagt Jörg Hottenroth, Küchenchef im Alterszentrum. «So bleiben die Vitamine und Nährstoffe drin. Und die Kunden können es einfach in der Mikrowelle oder im Backofen erwärmen.» Heute gibt es Saltimbocca mit Risotto und einer gefüllten Tomate. Dazu Suppe und Salat. An manchen Tagen wird der Salat mit einem Dessert ersetzt. Das Ganze kostet 12 Franken, inklusive Lieferung.

Sorgfältig lädt Alber die Mahlzeitenboxen in den Kofferraum seines Kombis. Und schon geht es zur ersten Kundin. Sie ist gerade am Telefon und kommt etwas ins Rotieren. Dennoch ist sie froh, dass sie kurz ein paar Worte mit Alber wechseln kann. «Das gehört natürlich dazu», sagt Alber wieder im Auto. «Die Senioren freuen sich, dass jemand vorbeischaut, wenn auch nur kurz.»

Kurier schlägt Alarm, wenn jemand nicht öffnet

Der Mahlzeitendienst hat auch ein Notfallregister, falls ein Kunde die Türe nicht öffnet. «Natürlich sind unsere Kunden nicht immer zu Hause. Bei einigen wissen wir, dass sie oft unterwegs sind», erzählt Alber. Doch wenn eine betagte Person, die eigentlich immer daheim sei, nach mehrfachem Klingeln und Rufen nicht aufmache, habe man ein bestimmtes Vorgehen. Der Kurier gebe einem anderen Vereinsmitglied Bescheid. Dieses versuche dann den Notfall-Kontakt des Kunden zu erreichen. «Meistens handelt es sich um keine Notsituation, sondern man hat uns vergessen zu sagen, dass der Kunde einen Termin hat.» Es sei aber schon vorgekommen, dass man so einer gestürzten und hilflosen Person habe helfen können. «Für die meisten Angehörigen ist es eine Beruhigung zu wissen, dass wir vorbeigehen.»

Der Mahlzeitendienst liefert von Montag bis Sonntag aus. Doch nur wenige Kunden nehmen ihn täglich in Anspruch.

Als Dank gibt es für den Fahrer ein Schoggistängeli

Einer ist Rolf Hagmann. «Ich bin nicht mehr gut zu Fuss», sagt er. «Seit sechs Jahren lasse ich mir daher das Essen liefern.» Er sei froh, dass es die netten Kuriere gebe. Er freue sich, dass diese immer Zeit für einen kurzen Schwatz hätten und ihm sogar den Briefkasten leerten. Als kleines Dankeschön wartet auf der Box vom Vortag ein Schoggistängeli. Bei einigen Kunden ist der Stop nur sehr kurz. Sie sind nicht zu Hause. Die leere Box steht auf einem Schemel im Treppenhaus bereit. «So weiss ich, dass alles in Ordnung ist», sagt Alber. Bei einem anderen Kunden stellt er die Box auf den Tisch auf dem Sitzplatz. Das ist so abgemacht. Roland Alber macht es Freude, den Leuten etwas Gutes zu tun. «Viele Senioren möchten so lange wie möglich nicht ins Altersheim. Wir helfen ihnen dabei.» Er selber ist frühpensioniert und wohnt seit ein paar Jahren in Kreuzlingen. Früher hat er in der Immobilienbranche gearbeitet. «Ich bin über einen Freund zum Verein gestossen und habe als Fahrer mitgemacht», erzählt der 62-Jährige. Als er gefragt wurde, ob er das Präsidium interimistisch übernehmen würde, sagte er zu. Die Arbeit machte ihm so grossen Spass, dass er sich später offiziell zur Wahl stellte. «Derzeit sind wir 26 Fahrer. Zwei sind seit 36 Jahren dabei. Das ist unglaubliches Engagement, oder?» Die Fahrer arbeiten alle ehrenamtlich. Es gibt lediglich Kilometergeld und einmal im Jahr einen Höck. Die Einsätze kann jeder selber bestimmen, ob einmal im Monat oder der Woche.

Seit die Frau gestorben ist, bestellt er das Essen

Ein treuer Kunde ist Paul Küpfer. Seit drei Jahren lässt er sich das Essen liefern, nur sonntags nicht. Dann isst er bei seinem Sohn. «Der Mahlzeitendienst ist meine Rettung. Es ist wunderbar, dass es ihn gibt», sagt der 89-Jährige und lacht. Seine Frau sei gestorben und er habe nie gekocht. Für eine Person sei das mühsam. Zusammen mit Alber schaut er sich das Menu an. «Sieht gut aus», sagt er und stellt alles in den Kühlschrank. «Ich freue mich schon auf den Znacht.»

Blick in den Kofferraum: Die Boxen sind gut gesichert. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Blick in den Kofferraum: Die Boxen sind gut gesichert. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Roland Alber wartet vor der Haustür einer Kundin. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Roland Alber wartet vor der Haustür einer Kundin. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Roland Alber zeigt das Menu: Saltimbocca, Risotto, Suppe und Salat. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Roland Alber zeigt das Menu: Saltimbocca, Risotto, Suppe und Salat. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

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