Der Krieg und das Dorf Stettfurt

Der Pensionär Heinz Roggenbauch hat einen Nachtrag zu seinem Buch «Stettfurt im 20. Jahrhundert» verfasst. Er beleuchtet darin die Situation und das Leben in dem Dorf während des 2. Weltkriegs.

Thomas Geiser
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Heinz Roggenbauch Pensionierter Buchhalter Stettfurt (Bild: pd)

Heinz Roggenbauch Pensionierter Buchhalter Stettfurt (Bild: pd)

Wie genau kamen Sie auf die Idee, über Stettfurt im Zweiten Weltkrieg zu schreiben?

Heinz Roggenbauch: Die Neuerscheinung ist als Erweiterung zu sehen. Im Buch «Stettfurt im 20. Jahrhundert» fehlt der Beschrieb dieses düsteren Zeitabschnitts. Dieser Tatbestand plagte mich seit mehreren Jahren, weshalb ich mich entschloss, dazu einen Nachtrag zu verfassen.

Wie hat Ihre Arbeit an dem Buch denn ausgesehen?

Roggenbauch: Der grösste Teil meiner Arbeit waren Recherchearbeiten. Ich habe beispielsweise sämtliche Ausgaben der Thurgauer Zeitung dieser Zeit durchforscht. Die Gemeinde Stettfurt gewährte mir Einblick in die Protokolle der Gemeinderatssitzungen und Gemeindeversammlungen von 1938 bis 1946. So war ich tagelang damit beschäftigt, diese Unterlagen nach relevanten Informationen zu durchforschen. Nebst dem Studium von Geschichtsliteratur fand ich bei Besuchen im Staatsarchiv eine Menge ergänzender Informationen. Des weiteren habe ich auch noch mit vier Zeitzeugen gesprochen, die mir viele spannende Auskünfte gaben.

War es für Sie auch eine Art Aufarbeitung persönlicher Erlebnisse?

Roggenbauch: Ja, ganz sicher. Ich bin 1936 geboren und in Mauren, einem kleinen Bauerndorf östlich von Weinfelden, aufgewachsen. Als kleines Kind habe ich nicht sonderlich viel von diesen Krieg mitbekommen. Erst später mit der wöchentlichen Radiosendung «Weltchronik» habe ich von der durchaus heiklen Situation erfahren.

Und wie kommt man denn von Mauren nach Stettfurt?

Roggenbauch: Meine Frau und ich wohnten zunächst in Wil. Als wir dann in der Region nach einer Liegenschaft suchten und in Stettfurt gerade eine zum Verkauf stand, fiel uns die Wahl nicht sehr schwer. In diesem schönen Ort wohnen wir nächstes Jahr schon seit 30 Jahren.

Könnte man sagen, dass Sie sich in das Lauchental verliebt haben?

Roggenbauch: Ja, das kann man wirklich so sagen (lacht). Am besten gefällt mir die Aussicht vom Sonnenberg über das ganze Tal. Das ist meine zweite Heimat.

Was war Ihr persönliches Highlight bei den ermittelten Informationen?

Roggenbauch: Ich war überwältigt von der sachlichen Abwicklung der Kriegswirtschaft. Es schien, als ob der Krieg nur ein weiterer Punkt auf der Traktandenliste gewesen wäre. Äusserst interessant fand ich auch, dass die Gefahr eines Angriffs von aussen in allen Protokollen immer nur als Nebensache abgehandelt wurde.

Konnten Sie daraus auch etwas mitnehmen für Ihr Leben?

Roggenbauch: Mich hat der verantwortungsbewusste Umgang mit den Ressourcen sehr beeindruckt. Jedes Stück Stoff, jedes Metallteil wurde behalten und wiederverwendet. Auch den damaligen Zusammenhalt der Bevölkerung finde ich toll. Und nicht zu vergessen ist die unglaubliche Leistung der Frauen zu dieser Zeit. Während die Männer an der Front waren, hatten sich die Frauen um Haus, Hof und Kind zu kümmern. Das wurde sehr gut gemeistert.

Und wie geht es jetzt weiter für Sie?

Roggenbauch: Erstmal brauche ich jetzt eine Pause vom Schreiben. Vielleicht gehe ich mit meiner Frau noch auf eine grössere Reise. Die Aborigines in Australien hätten uns schon immer einmal interessiert.