Der kleine Bruder kommt

Thursicht

Sebastian Keller
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Noch viermal schlafen. Dann öffnet die 75. Olma ihre Türen. Der Thurgau ist zu Gast. Und ­ er darf sich auf gute Gastfreundschaft freuen. Bereits zum fünften Mal ist er geladen. Und wen man nicht mag, lädt man ja schliesslich nicht wieder und wieder ein. Der Thurgau gehört zur Familie.

Das Verhältnis zwischen dem Olma-Kanton St. Gallen und dem Thurgau ist ohnehin ein brüderliches. Mit allem, was dazugehört. Einmal neckt der kleine den grossen Bruder. Ein andermal demonstriert St. Gallen die Macht des grösseren Geschwisters. Das ist Familienpolitik.

Für seinen diesjährigen Besuch hat sich der kleine Bruder etwas Grosses einfallen lassen. Er bringt den Löwen mit – zu einer Landwirtschaftsmesse. Dieses majestätische Raubtier ist hierzulande nicht als gängiges Nutztier bekannt. Direktzahlungen gibt es für ihn auch keine. Doch dem kleinen Bruder lässt man diese Neckerei durchgehen. Die Keckheit ist die Waffe des Kleinen.

Klar, an einer Familienfeier kann es auch mal schnäppern. Zu viel vergorener Saft, verkohlte Bratwürste, flegelhafte Worte. Doch in einer Familie verzeiht man sich kleine Ausrutscher. Wenn es trotzdem krachen sollte, ist da ja auch noch Doris Leuthard. Die Bundespräsidentin ist zwar keine Thur-, sondern eine Aargauerin. Sie hat aber ausreichend mütterlichen Instinkt. Und wenn das Säuli in ihren Händen das Kalb macht, lachen St. Gallen und ­der Thurgau in brüderlicher Eintracht. Bis es soweit ist, müssen alle aber noch viermal schlafen.

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch