Der Kirchturm schwankt

FRAUENFELD. Die katholische Stadtkirche St. Nikolaus in Frauenfeld wird für 5,43 Millionen Franken saniert. Die laufenden Arbeiten hat Natalie Ammann in Text und Bildern festgehalten. Stück für Stück wird die Kirche repariert und erneuert.

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Die Dachdecker auf der katholischen Stadtkirche St. Nikolaus in Frauenfeld werfen einander die Ziegel zu. Das Dach wird neu eingedeckt. (Bild: Natalie Ammann)

Die Dachdecker auf der katholischen Stadtkirche St. Nikolaus in Frauenfeld werfen einander die Ziegel zu. Das Dach wird neu eingedeckt. (Bild: Natalie Ammann)

Die Glocken der katholischen Stadtkirche Frauenfeld St. Nikolaus schlagen zehnmal. Normalerweise zeigt auch die Turmuhr an, welche Stunde es geschlagen hat. Der Blick zur Uhr ist jedoch vergebens. Denn diese weilt momentan in den Sommerferien. Uhr und Kirche werden saniert.

Heute prüfen Architekt Peter Büchel und Statiker Christoph Meier die Statik des Kirchturmes. «Wir kontrollieren, ob der Turm übermässig schwankt», sagt Büchel.

Nach einer ruckeligen Fahrt stoppt der Weinfelder Architekt den Baulift an der Unterkante des Daches. Hier geht es sportlich zu und her: Dachdecker werfen Ziegel durch die Luft. Sie decken das Kirchendach neu ein. «Für das ganze Dach benötigen wir 40 000 Ziegel», sagt Objektleiter Andrej Kiwic. Von den alten Ziegeln werden 18 000 umgedeckt. Die noch völlig intakten, nur vom Wetter gezeichneten Ziegel, plazieren die Dachdecker nun auf der Altstadtseite. Die 22 000 neuen Ziegel sind für die Wetterseite Richtung Bahnhof vorgesehen. Sie sind allerdings noch nicht vor Ort. «Die neuen Ziegel sind von Deutschland unterwegs nach Frauenfeld. Es handelt sich um eine Spezialanfertigung aus Norddeutschland», sagt Büchel.

Der Regen hat keine Chance

Auf dem Dach sind noch andere Arbeiten im Gange. Spengler installieren Dachfenster. Sie haben diese Gauben in ihrer Werkstatt repariert. Nun löten sie zwischen dem Blech der Gaube und den Ziegeln Bleilappen an. Diese bilden eine Art Mauer und verhindern, dass Regen aufs Unterdach tropft. «Das Blei ist giftig. Doch ist es unbedenklich, dieses Material auf dem Dach zu verwenden, da das Dachwasser nicht getrunken wird», erklärt der Architekt.

Ein Pendel schwingt im Raum

Peter Büchel ist zufrieden, wie die Arbeiten auf dem Dach vorwärtskommen. Jetzt möchte er sich noch ein Bild vom Zustand des Kirchturmes machen. Wie die Wiesel klettern Peter Büchel und Statiker Christoph Meier auf dem Baugerüst am Glockenstuhl vorbei bis zum höchsten Turmfenster hinauf und steigen durch das Fenster in den Turm hinein. Sie betreten ein leeres Dachgeschoss, das 15 Meter hoch ist.

Peter Büchel kraxelt auf einer Leiter zur Decke hinauf und befestigt dort ein Pendel. Von unten gibt Statiker Meier Anweisungen über die korrekte Position des Pendels. Danach legt er einen DIN-A4-Block mit eingezeichnetem Fadenkreuz auf den Boden, mit welchem er die Schwankungen des Turmes bestimmen will. Peter Büchel ruft unterdessen die Mesmerin an und bittet sie, die Glocken läuten zu lassen. «Nur wenn die Glocken läuten, können wir die Schwankungen des Turmes messen», erklärt Christoph Meier. Das Pendel hängt über dem Fadenkreuz. Eine Glocke schlägt elfmal. Ihr Klang erfüllt den Raum, sonst bewegt sich nichts. Zehn Minuten später setzen alle sechs Glocken zum Geläut an. Man spürt, dass der Turm schwankt. Das Pendel schlägt aus. Der Statiker filmt die Situation mit seinem Handy.

Zwischen den Glocken

«Der Turm schwankt nur minimal», stellt Christoph Meier fest. Zufrieden packen Meier und Büchel ihre Utensilien ein und verlassen den Raum. Auf dem Gerüst klettern sie hinunter zurück aufs Dach. Durch eine Türe gelangen sie zu einer Treppe, die zum Glockenstuhl führt. Die beiden Experten positionieren sich zwischen den Glocken. Als der Viertelstundenschlag erfolgt, achten sie darauf, ob man auch im Glockenstuhl die Schwankungen des Turmes spürt. Das Ergebnis ist negativ. Die beiden gehen auf dem selben Weg zurück aufs Dach.

Uhr kommt bald zurück

Der Blick von Peter Büchel fällt auf die leere Stelle am Turm, an der bislang die Uhr befestigt war. «Ab November können die Frauenfelder die Zeit wieder ab der Kirchturmuhr ablesen», sagt er. Die Uhr wird derzeit von einer Spezialfirma in Sursee restauriert. Sie wird demnächst zurückgebracht. Die Sanierungsarbeiten der Stadtkirche dauern jedoch noch weiter an. «Wir arbeiten weiter, nur nicht mehr zeitlos», schmunzelt Büchel. «Bis 2016 wollen wir fertig sein.»

Andrej Kiwic testet, ob die Ziegel neben dem Dachfenster passen. (Bild: Natalie Ammann)

Andrej Kiwic testet, ob die Ziegel neben dem Dachfenster passen. (Bild: Natalie Ammann)

Statiker Christoph Meier filmt das Pendel, das die Schwankungen des Turmes anzeigt, mit dem Handy. (Bild: Natalie Ammann)

Statiker Christoph Meier filmt das Pendel, das die Schwankungen des Turmes anzeigt, mit dem Handy. (Bild: Natalie Ammann)

Christoph Meier und Peter Büchel installieren ihre Messvorrichtung. (Bild: Natalie Ammann)

Christoph Meier und Peter Büchel installieren ihre Messvorrichtung. (Bild: Natalie Ammann)

Kirche St. Nikolaus im Baukleid. (Bild: Natalie Ammann)

Kirche St. Nikolaus im Baukleid. (Bild: Natalie Ammann)

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