Der Kanton spart bei den Wildschäden

Schäden von Wildtieren an landwirtschaftlichen Kulturen werden nur noch ab einem Betrag von 200 Franken entschädigt. Auf Kosten der Bauern spart der Kanton so jährlich rund 20 000 Franken. Die meisten Schäden werden durch Wildschweine verursacht.

Silvan Meile
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FRAUENFELD. Wildschweine bedienen sich gerne bei den Landwirten. Auf der Suche nach Nahrung können sie etwa ein Getreide- oder Maisfeld regelrecht umpflügen. Wenn die Schweine dann satt sind und weiterziehen, hinterlassen sie ein Bild der Zerstörung. Für den betroffenen Landwirt bedeuteten die wütenden Wildsauen oftmals auch einen finanziellen Schaden. Für solche Wildschäden fliessen Entschädigungszahlungen. Bei diesen setzt der Kanton nun den Sparhebel an.

Bis 200 Franken ein Bagatellfall

Im Thurgau verursachen Wildtiere durchschnittlich 750 Schadenfälle pro Jahr. Die Schadenssumme an landwirtschaftlichen Kulturen und an Wäldern beträgt jährlich rund 400 000 Franken, erklärt Roman Kistler, Chef der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung. Die Höhe des Schadens wird pro Fall jeweils durch einen Experten geschätzt.

Im Zuge der Leistungsüberprüfung in der kantonalen Verwaltung hebt nun der Regierungsrat die Höhe der entschädigungsberechtigten Schadenssumme von 100 auf 200 Franken an. Ab April werden somit Wildschäden unter 200 Franken als Bagatellfälle behandelt, für die keine Entschädigungen ausbezahlt werden. «Rückblickend auf die Zahlen des vergangenen Jahres als Bezugsgrösse dürfte der Kanton mit dieser Massnahme rund 20 000 Franken einsparen», sagt Kistler.

Diese Einsparung geht zu Lasten der betroffenen Bauern. Der Thurgauer Bauernverband akzeptiere diesen Beitrag zur kantonalen Sanierung des Finanzhaushaltes, sagt Präsident Markus Hausammann. Falls aber im Grossen Rat das Sparpaket aufgeschnürt werde, so beurteile der Bauernverband die Massnahmen, von denen sie betroffen sind, wieder neu.

Massnahme entlastet die Jäger

Die Sündenböcke bezüglich Wildschäden sind vor allem die Wildschweine. Zwar sind auch etwa Krähen, Hirsche oder Biber für Wildschäden verantwortlich. 92 Prozent aller Schäden im Kanton Thurgau machen jedoch die Wildschweine. 15 Prozent der von diesen Tieren verursachten Schadenssumme müssen die Jagdgesellschaften übernehmen. Denn mit ihrer Jagd würden sie einen Betrag zur Schadenverhütung leisten, erklärt Roman Kistler. So erlegten die Jagdgesellschaften im vergangenen Jagdjahr insgesamt 383 Wildschweine. Im Jahr zuvor waren es gar 53 Prozent mehr.

Auf dem Wellenberg und dem Seerücken seien die grössten Populationen von Wildschweinen, erklärt Bruno Ackermann, Präsident der Thurgauer Jäger. Der Beitrag an den Wildschäden würden die Thurgauer Jagdgesellschaften solidarisch über die Jagdpacht-Zinsen bezahlen. Diese Sparmassnahme des Kantons bei den Wildschäden entlastet somit auch die Kasse der Jäger leicht.

Kein Selbstbehalt im Thurgau

Die neue Untergrenze von 200 Franken für Bagatellschäden im Thurgau ist noch immer tiefer als in anderen Kantonen. In St. Gallen beispielsweise liegt dieser Wert bei 300 Franken. «Auch mit der Untergrenze von 200 Franken bleibt der Kanton Thurgau kulant», sagt Kistler. Andere Kantone hätten diese Untergrenze deutlich höher angesetzt. Ausserdem kennt der Kanton Thurgau im Vergleich zu anderen Kantonen auch keinen Selbstbehalt zulasten der Geschädigten. Übersteigt ein Schadenfall also den Bagatellbetrag von 200 Franken, so wird im Thurgau der gesamte Betrag vergütet.

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