«Der Kanton macht die Sache immer schlimmer»

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Hefenhofen Jost Rüegg ist überhaupt nicht zufrieden mit dem Krisenmanagement des Kantons. Der Kantonsrat (GP, Kreuzlingen) stellte dem Regierungsrat Fragen zu den Geschehnissen nach der Veröffentlichung der Bilder vom Hof in Hefenhofen. «Ungereimtes und Widersprüchliches zur Evakuation der Tiere vom Hof von Ulrich K.», lautet der Titel seiner Einfachen Anfrage. Zur Vorgehensweise der Behörden seien noch viele Fragen offen.

Die Regierung verweist in ihrer Antwort auf die eingesetzte Untersuchungskommission. Es sei nicht zielführend, Teilaspekte des Falls vorgängig im Rahmen einer Einfachen Anfrage zu beantworten. Der Regierungsrat geht auf die Anfrage von Rüegg in entsprechender Kürze ein und fasst jeweils mehrere Fragen zusammen. Der Politiker findet die Antworten «absolut unbefriedigend».

Carmen Haag ist die positive Ausnahme

Ein Krisenmanagement muss gemäss Jost Rüegg dafür sorgen, dass man wieder gut dasteht. «Im optimalen Fall sogar besser als vor der Krise», sagt er. Die Regierung des Kantons Thurgau habe nach Bekanntwerden des Falls die Vorgänge der vergangenen 13 Jahre aber sogar noch verschlimmert. «Mit jeder öffentlichen Äusserung macht der Kanton die Sache schlimmer», sagt Rüegg und meint damit auch die Antwort auf seine Anfrage.

Eine Ausnahme ist dem GP-Kantonsrat aber wichtig: «Die verschiedenen Aussagen der Regierungspräsidentin Carmen Haag vor Presse und Kameras in diesem Zusammenhang waren souverän und nachvollziehbar», schreibt er in seiner Anfrage und betont dies auch im Gespräch mit unserer Zeitung. Seiner Meinung nach hätte aber Kantonstierarzt Paul Witzig nach der Veröffentlichung der Bilder sofort vom Fall Ulrich K. abgezogen werden müssen.

Wie geht es den Tieren von Ulrich K.?

Der Politiker wollte unter anderem wissen, welche Tiere eine grosse Thurgauer Viehhandelsfirma gekauft hatte und zu welchen Preisen und Bedingungen dies geschehen war. Auf die Frage nach dem Preis und den Bedingungen geht die Regierung gar nicht ein. «Da kommt einfach keine Antwort. Meiner Meinung nach hat sich die Firma dabei eine goldene Nase verdient», sagt ­Rüegg. Er erkundigte sich auch nach Kontrollen zur Haltung der verkauften Pferde. Die Regierung antwortet: «Die in Sand-Schönbühl verkauften Pferde haben keinen tierschutzrechtlichen Sonderstatus. Für ihre tierschutzkonforme Haltung ist – wie bei allen anderen Tieren – primär der neue Halter zuständig.»

Rüegg erwähnt in seiner Anfrage, dass nach der Gant einige Pferde noch auf Platz weiterverkauft worden sein sollen. Der Regierungsrat hält dagegen, dass die Pferde beim Verlad in Hefenhofen mit einem Chip versehen worden seien, womit ihr weiterer Weg verfolgbar sei. Mit einem Zuschlag von 500 Franken auf den Schätzwert habe man auch dafür gesorgt, dass eine Schlachtung keine wirtschaftlich sinnvolle Option sei.

Nicht zufrieden ist Rüegg auch mit der Antwort auf seine Frage, wann die Evakuierung des Hofs beschlossen wurde. Regierungsrat Walter Schönholzer habe mal gesagt, dass so etwas von langer Hand vorbereitet werden müsse. In seiner Antwort schreibt die Regierung nun, die notwendigen Abklärungen hätten drei Tage zuvor stattgefunden. «Das ist alles sehr, sehr unglaubwürdig», sagt Rüegg.

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch