Der Kampf gegen laute Bauern

Beschwerden über den Lärm von Heubläsern und über den Gestank von Gülleaustrag zur Unzeit werden in Amden immer häufiger. Nach ungehörten Appellen stellt Amdens Gemeinderat jetzt ein Reglement in Aussicht.

Ulrike Nitzschke
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Spannungsfeld: Im Arvenbüel grenzen Ferienhaussiedlungen direkt an Landwirtschaftsgebiet. (Bild: Ulrike Nitzschke)

Spannungsfeld: Im Arvenbüel grenzen Ferienhaussiedlungen direkt an Landwirtschaftsgebiet. (Bild: Ulrike Nitzschke)

AMDEN. Es gäbe genug Gesetze. Man brauche nicht noch eines mehr, sagt Urs Roth. Amdens Gemeindepräsident setzt auf den gesunden Menschenverstand. Aufrufe zu gegenseitiger Toleranz müssten reichen. Das leidige Thema von Lärm- und Geruchsbelästigung spricht er tatsächlich nicht zum erstenmal öffentlich an. Eine positive Resonanz ist jedoch bislang ausgeblieben.

«Auch in diesem Sommer sind wieder Reklamationen über Immissionen im Zusammenhang mit den landwirtschaftlichen Tätigkeiten eingegangen», sagt Roth. Hintergrund der von Jahr zu Jahr zunehmenden Beschwerden sei einerseits der unangemessene Einsatz von Heubläsern, anderseits das Güllen zur Unzeit in der Nähe von Siedlungsgebieten. In Amden und im Arvenbüel sind das vor allem direkt an landwirtschaftliches Gebiet angrenzende Ferienhaussiedlungen.

Wer die ländliche Idylle auf der Sonnenterrasse über dem Walensee zur Entspannung sucht, kauft frische Milch und Eier gern beim Bauern nebenan. Doch der solle seinen Job den ruhebedürftigen Ohren der Urlauber entsprechend unauffällig machen.

Gestank und Gebläse

Nein, sagt der Gemeindepräsident. Es klaffe kein grundsätzlich tiefer Graben zwischen Ortsansässigen und Ferienhausbesitzern. In seiner Gemeinde seien Landwirtschaft wie Tourismus unentbehrlich. Er selbst komme nicht aus der Landwirtschaft, sei sich aber bewusst, «dass gewisse landwirtschaftliche Tätigkeiten aufgrund des Wetters oder des zur Verfügung stehenden Personals in Randzeiten oder am Wochenende ausgeführt werden müssen». Ausserdem würden viele Bauern auswärts arbeiten, könnten erst nach Feierabend ihren Hof bestellen.

Roth ist dennoch überzeugt: Ab 20 Uhr an Werktagen sowie ab Samstagnachmittag sei von Gülleaustrag sowie lärmigen Arbeiten in Garten, Landwirtschaft und auch auf Baustellen abzusehen. An Sonntagen und auch über die Mittagszeit sollten diese ganz unterlassen werden. Der Gemeindepräsident drückt sich vorsichtig aus. Gerade in diesem Sommer sei wieder festzustellen gewesen, dass seine Appelle nicht von allen Bauern in gleicher Weise gehört würden.

Ärger, Wut und Drohungen

Seine Toleranzgrenze liege relativ hoch. «Aber ich kann verstehen, dass Hausfrauen und -männer frische Wäsche von der Leine nehmen, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft gegüllt wird.» Auf Nichtlandwirte und Touristen werde oftmals zu wenig Rücksicht genommen, sagt Gemeindepräsident Roth. Natürlich gebe es auch vernünftige Landwirte. Doch gingen im nächsten Jahr wieder so reichlich Beschwerden ein, dann müssten die Gemeinderäte reagieren, ein Reglement erarbeiten, die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger darüber abstimmen.

Was nicht heissen soll, die Gemeinde Amden treibe ihre Bauern zurück zum traditionellen Emden per Rechen. Die Ammler Wiesen steigen nun einmal streng an. «Ich bin kein Traditionalist», sagt Roth, «aber auch Autowaschen am Sonntag gefällt mir nicht.» Das liesse sich ebenso anders und besser planen. Bislang bestehen in Amden keine konkreten Vorschriften über den Einsatz von Heubläsern oder den Gülleaustrag. Mit einem kommunalen Immissionsschutzreglement könnten Fehlbare durch die Polizei gebüsst werden. Das könnte sie teuer zu stehen kommen.

«Mit Verkauf gedroht»

Doch die Gemeinde darf ihre Ohren nicht vor den Beschwerderufen verschliessen. Es seien weniger die Hotelgäste, berichtet Thomas Exposito von Amden & Weesen Tourismus, in dessen Büro die meisten Reklamationen eingehen. Die Hotels befinden sich im Ortskern. «Einige Ferienhausbesitzer allerdings haben bereits mit Verkauf gedroht, sollten wir das Problem nicht in den Griff bekommen.»

Das klingt schon etwas nach einem aufziehenden Gewitter. Immerhin warten aktuell in Amden zahlreiche neu gebaute Ferienwohnungen auf Käuferinnen und Käufer.

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