Der integrierte Familienvater

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Der Frauenfelder Imam Sami Misimi im Gebetsraum auf der Mimbar, dem Predigtstuhl in der jetzigen Moschee an der Gewerbestrasse 3.

Der Frauenfelder Imam Sami Misimi im Gebetsraum auf der Mimbar, dem Predigtstuhl in der jetzigen Moschee an der Gewerbestrasse 3.

Diametral anders. So zeigt sich die Situation bei Ilham Mustafi, der musterhaftes Schweizerdeutsch spricht. Grad kürzlich habe ihm ein Arbeitskollege, Mitglied bei der SVP Wängi, nahegelegt, sich doch einbürgern zu lassen. «Meine Frau ist aus Mazedonien», sagt der 28-jährige Vater zweier Kinder, der zusammen mit seinen Eltern in Frauenfeld wohnt. Zwar spreche sie besser Deutsch als Imam Misimi. Eine Einbürgerung habe sich für Mustafi und seine Familie bisher aber nicht ergeben, obwohl er mit der Stadt immer wieder auch im interreligiösen Dialog stehe. Ins Schwärmen gerät Mustafi, wenn er von seinem Beruf erzählt. Meistens in der Morgenschicht be- und entlädt er Frachtmaschinen auf dem Rollfeld des Flughafens Zürich. «Das ist die schönste Arbeit, denn der Flughafen bedeutet für mich das Tor zur grossen Welt.» Gelernt hat er Sanitär und Spengler, die Schulbank drückte er im Schollenholz, später in der Oberstufe im Reutenen. Selbst bezeichnet er sich als bodenständig, arbeitswütig, familiär, der aber «amigs z’viel redet». Mustafi lächelt, seine Finger vergräbt er im feinsäuberlich geschnittenen Vollbart.

Mustafi betet unregelmässig in der Frauenfelder Moschee. «Mal drei Tage hintereinander, mal nur einmal in der Woche.» Wie jemand seinen Glauben lebe, sei jedem das Seine. Mustafi liebt den Glauben und er richtet sich danach, «so gut es geht». Er kam im Alter von fünf Jahren in die Schweiz, ein Teil seiner Familie lebt noch in seiner Heimat Mazedonien. Im Herzen fühlt er sich als Schweizer und er ist stolz darauf. Obwohl er jährlich in seiner Heimat Ferien macht, würde er dort nicht mehr leben wollen. «Die Schweiz ist perfekt organisiert», sagt er. Dafür müssten er und seine Familie sich halt auch an die Schweizer Regeln und Gesetze anpassen.

Extremisten würden Islam in den Dreck ziehen

Auf die Frage, ob er seine Tochter einmal nur mit Burkini in den Schwimmunterricht gehen lasse, bleibt er kurz sprachlos. – «Die Frage ist doch, was ist das Beste für das Kind?» Dass Frauen im Islam unterdrückt würden, will er nicht auf sich sitzen lassen. «In Wahrheit hat meine Frau ein wunderschönes Leben», sagt er. Er müsse sich ums Einkommen sorgen. Sie wiederum kümmere sich zwar um die Kinder und seine Eltern, «sie lebt aber wie eine Königin». Vorurteilen in der Bevölkerung gegenüber dem «richtigen Islam» gewinnt Mustafi ohnehin nichts ab. «Klar gibt es Extremisten», diese zögen jedoch den Islam in den Dreck, weil sie Lügen verbreiteten. Ob sich in Frauenfeld Radikale aufhalten, weiss Mustafi nicht. «Sie würden mit ihrem Tunnelblick sofort auffallen, im Gespräch geht es dann um nichts anderes mehr.»

Es ist Ilham Mustafi ein Anliegen, dass er mit seiner Glaubensbrüdern Misstrauen in der Stadt entgegenwirkt, das wegen der «vielen negativen Berichterstattungen» entstand. «Wer kommt, dem öffnen wir die Türen und zeigen ihm den richtigen Islam.» Die neue Moschee biete mehr Platz, und der Verein müsse «endlich nicht mehr monatlich eine hohe Miete zahlen». Geld gespendet hat er ebenfalls. «Die Mitglieder sehnen sich nach der neuen Moschee», erzählt Mustafi voller Vorfreude. Arbeitet er nicht am Flughafen, verbringt er Zeit mit seiner Familie oder trifft Freunde, «wenn ich nicht gerade spreche». Mustafi und Misimi lachen herzhaft. (sko)